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Eine Erfahrung, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten, war die Übernachtung in einem traditionellen japanischen Ryokan und das Baden in den sogenannten Onsen. Kinosakionsen war dafür der perfekte Ort! Hier erzählen wir dir von unserem tiefen Abtauchen in den Onsen und die japanische Kultur.

Unsere Fahrt von Himeji nach Kinosakionsen

Wir sind mit Zügen von Himeji nach Kinosakionsen gefahren und mussten zwei Mal umsteigen. Von Himeji sind wir zunächst nach Teramae gefahren und von dort aus nach Wadayama. Obwohl wir an dem Bahnhof nur 2 Minuten zum umsteigen hatten, haben wir unseren letzten Zug nach Kinosakionsen entspannt bekommen. Insgesamt waren wir gute zwei Stunden unterwegs und dieses Mal eher in kleineren Zügen in gemächlichem Tempo. Angekommen in Kinosakionsen sind wir einmal durch die kleine Stadt gelaufen auf der Suche nach unserer Unterkunft.

Japan Kinosakionsen

Übernachten in einem Ryokan

Nachdem Matthias schon vor Jahren auf einem Kurztrip in einem traditionellen japanischen Ryokan übernachtet hatte, stand von vornherein fest: dieses Erlebnis müssen wir uns gönnen! In Kinosakionsen gibt es eine große Anzahl an Ryokans, die teilweise auch online gebucht werden können. Wir haben zwei Nächte im Sennen No Yu Gonzaemon* verbracht und wurden dort wirklich verwöhnt.

Ein Ryokan ist ein traditionell eingerichtetes japanisches Hotel. Der Boden ist mit Tatamimatten ausgelegt und du schläfst auf einem Futon… ohne Bettgestell! Tagsüber werden die Matratzen weggeräumt und abends extra wieder aufgebaut. Meistens sind im Ryokan Frühstück und Abendessen inkludiert. Das läuft aber nicht wie in einem All-Inclusive Urlaub auf einer kanarischen Insel ab! Hier bekommt jeder sein Essen aufs Zimmer serviert. Es gibt eine Art Hausmädchen, die dir anfangs alles erklärt und für Fragen immer ansprechbar ist. Sie serviert auch das Essen und richtet die Betten her. Es ist definitiv eine sehr spezielle Erfahrung, die du in der Form wohl in keinem anderen Land machen kannst.

Japan Ryokan

Wir waren besonders beeindruckt von dem Essen, was uns morgens und abends aufgetischt wurde. Wir hatten kleine Grills, Nabe-Töpfe, frischen Fisch und viel Gemüse, das uns nach und nach gebracht wurde. Auch die Spezialität der Region – Krabben – konnten wir an einem Abend testen. Es war ein Festessen, das uns auch ein wenig herausforderte. Denn in einigen Schüsseln waren Dinge, die wir nach erstem Probieren dann doch lieber stehen ließen ;)

Japan Essen traditionell

Onsen – was ist das überhaupt?

Onsen ist die japanische Bezeichnung für heiße Quelle. Da Japan überwiegend auf, in und neben Vulkanen existiert, gibt es hier jede Menge heiße Quellen. Diese speisen dann die Bäder mit dem Wasser. Der Onsen ist ein bisschen die Sauna der Japaner.. nur eben in flüssiger Form. Manchmal gibt es auch in Hotels einen kleinen Onsen dazu oder extra Badanlagen. Kinosakionsen ist ein ganzes Dorf, das bekannt ist für seine tollen Bäder. Dazu sieht es auch noch sehr schön aus mit dem Fluss, der durch die Stadt fließt.

Japan Kinosakionsen Yukata

Das musst du bei deinem Besuch in einem Onsen beachten

Das mit den Onsen ist eine ganz spezielle Sache und deswegen wollen wir dir hier eine kleine Einführung ins richtige Onsen geben. Dabei gibt es nämlich jede Menge Regeln zu beachten!

Japan Onsen Regeln

Wir haben erst einmal herzhaft lachen müssen, als wir dieses Schild vor einem Onsen entdeckt haben! Aber es ist tatsächlich so, dass es oft verboten ist, mit einem Tattoo ins Bad zu gehen. Und wenn du Gang-Mitglied bist – sorry, dann musst du woanders die Hüllen fallen lassen!

Betrittst du einen Onsen, wirst du als erstes deine Schuhe ausziehen und in das dafür vorgesehene Fach stellen. Du kannst im Onsen oft Handtücher und auch die traditionellen Yukatas leihen oder bringst es selbst mit. Danach gehst du in den Umkleidebereich, der für Männer und Frauen getrennt ist. Meistens ist der Männerbereich in blauen Farben und der Frauenbereich in roten Farben gehalten. Dort entkleidest du dich komplett und schließt deine Sachen in ein Schließfach ein. Das einzige, was du in den Onsen mit hineinnimmst, sind ein kleines Handtuch und der Schlüssel für den Spind.

Japan Onsen Eingang

Männer und Frauen gehen in der Regel in getrennte Bäder, nur selten gibt es gemischte. Im Onsen gibt es immer einen Bereich zum Waschen. Dieser ist enorm wichtig! Denn die Japaner achten extrem auf ihre Körperpflege. Bevor du also auch nur den kleinen Zeh in das heiße Wasser steckst, wäschst du dich ausgiebig im Sitzen. Die Japaner verbringen mit dem Waschen nicht selten 20 bis 30 Minuten, da quietscht danach alles vor Sauberkeit. Also nimm dir ein Beispiel an ihnen und wasche alles sehr gründlich.

Japan Onsen

Wenn du in das heiße Wasser gehst, dann sollten deine Haare nicht das Wasser berühren. Das kleine Handtuch ist zum Abwischen vom Gesicht und darf auf keinen Fall ins Wasser fallen. Die Japaner legen es entweder an die Seite oder auf ihren Kopf. Und dann genießt du das warme (und manchmal ganz schön heiße) Wasser für einige Minuten. Viele Onsen bieten verschiedene Bäder mit unterschiedlichen Temperaturen, einige drinnen, einige an der Frischluft. Zwischen den einzelnen Badegängen kannst und solltest du dich sitzend ausruhen. Und nicht zu lange im heißen Wasser bleiben! Matthias hat es wieder einmal übertrieben und dann beim Rausgehen kurz das Bewusstsein verloren.

Ja, inklusive Umfallen und auf den Steinboden fallen.

Nackt.

Mit dem Mount Fuji im Hintergrund. (Das war in Kawaguchiko).

Die Japaner haben sich vermutlich innerlich zu Tode geschämt.

Und noch eine letzte Regel. Bevor du den Onsen wieder verlässt, solltest du dich noch einmal abduschen und mit dem kleinen Handtuch schon gut trocken rubbeln. Mit triefend nassen Füßen die Umkleidekabine zu betreten ist ein No-Go.

Unser Guide für die Onsen in Kinosakionsen

In Kinosakionsen gibt es insgesamt sieben Onsen, die du mit einem Pass alle nutzen kannst. Abwechselnd sind die Onsen an vereinzelten Tagen geschlossen, das wurde uns von unserem Ryokan vorher gesagt. Wir haben in unserem Ryokan sowohl den Onsen-Pass, die Yukatas als auch Holzschlappen gestellt bekommen.

Satono-yu

Dieser Onsen liegt direkt neben dem Bahnhof und ist eines der größten Bäder. Hier gibt es Bäder im Freien mit einem tollen Blick in die Landschaft und einem kleinen Wasserfall. Auch die Innenbäder sind sehr schön gestaltet. Wir fanden diesen Onsen wirklich toll gemacht!

Japan Onsen Satonoyu

Goshono-yu

Schwer beeindruckt vom Eingangsbereich wurden hier unsere Erwartungen innen noch einmal übertroffen. Der Außenbereich hat nämlich Heißwasserpools auf zwei Levels und bietet die Möglichkeit, sich auf den Steinen dazwischen hinzusetzen oder zu legen. Wir waren hier ganz alleine und hatten ein wirklich schönes Bad nur für uns.

Japan Goshono-yu Onsen

Kouno-yo

In diesem eher kleinen Onsen gibt es einen schönen Gartenbereich mit Pool.

Ichino-yu

Die Besonderheit dieses Onsens ist eine Höhle, in der sich der Außenbereich des Onsen befindet. Die inneren Pools waren sehr heiß.

Zusätzlich zu den genannten gibt es noch den Mandara-yu Onsen, der aber gerade geschlossen war und den Jizou-yu Onsen, der schon ziemlich alt sein soll. Es ist auf jeden Fall ausreichend Auswahl und Platz da, um ein tolles Erlebnis zu haben. Die Onsen liegen alle nur wenige Minuten zu Fuß auseinander und können mit einem kleinen Spaziergang verbunden werden.

Geniale Erfahrung in Kinosakionsen

Wir sind tiefenentspannt und voller neuer Eindrücke aus Kinosakionsen abgereist. Wir waren froh, dass wir uns zwei Nächte im Ryokan gegönnt haben, weil wir dadurch einen vollen Tag für die Onsen hatten. Ein Tipp: Zur Blütezeit muss die Stadt noch mal schöner aussehen, weil der Fluss gesäumt ist mit Kirschbäumen.

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans ist dessen höchster Berg: der Mount Fuji. Wohl jeder hat schon einmal ein Bild des perfekt symmetrischen Berges mit weißer Schneespitze gesehen. Auch wir wollten Mount Fuji von Nahem sehen und fuhren dafür in das Gebiet der fünf Seen. Am Kawaguchiko See erlebten wir entspannte Tage und vernebelte Aussichten auf den Berg.

Mt Fuji Blick vom Kawaguchiko See

Anreise von Tokyo nach Fujkawaguchiko

Da wir uns gegen den Japan Rail Pass entschieden hatten, wählten wir für die Fahrt nach Fujikawaguchiko einen Bus aus. Für 1800¥ (14€) pro Person wurden wir in zwei Stunden von der Tokyo Station nach Kawaguchiko Station gefahren. Die Busfahrt hatten wir vorher bequem online über Japan Bus Online gebucht und konnten somit am Abfahrtstag direkt zur Busstation an der Tokyo Station fahren. Pünktlich auf die Minute ging es los und keine zwei Stunden später waren wir auch schon angekommen. Der Bus war bequem, hatte WiFi und war angenehm klimatisiert.

Unsere Unterkunft in Fujikawaguchiko

Mt Fuji Hostel

In der Nähe des Mount Fuji, am Fujikawa See gelegen haben wir im K’s House Fuji View* übernachtet. Hier hatten wir ein Doppelbett in einem Schlafsaal mit vier weiteren Doppelbetten und zwei Einzelbetten und haben 5000¥ (39€) pro Nacht bezahlt. Das Hostel liegt zwei Kilometer vom See entfernt, verleiht aber sehr günstig Fahrräder (150¥ pro Stunde, 1000¥ pro Tag). Unser Doppelbett war gemütlich und die Bäder, Küche und Gemeinschaftsräume waren extrem sauber. Ein Highlight war die wirklich toll ausgestattete Küche. Es gab zwei Induktionsherde, zwei Spülen, alle möglichen Küchengeräte und scharfe Messer. Das war mit Abstand die beste Hostelküche, in der war je gekocht haben!

Mit dem Fahrrad um den Kawaguchiko See

Im Hostel hatten wir den Tipp bekommen, dass der See gut mit dem Fahrrad umrundet werden kann und sich dabei gute Blicke auf den Mount Fuji erhaschen lassen. Also mieteten wir uns zwei Drahtesel in unserem Hostel und düsten runter zum See. Nun ging es gegen den Uhrzeigersinn immer entlang des Ufers. Mal auf der Straße, mal auf kleineren Wegen. Viel Verkehr war bei uns (an einem Sonntag) nicht unterwegs.

Mt Fuji Fahrradtour Kawaguchiko See

Immer wieder hielten wir zwischendrin für Fotostopps an. Der Blick vom See auf den Mount Fuji ist teilweise echt gut. Wenn der Mount Fuji denn zu sehen ist. Der größte Berg Japans ist dafür bekannt, die meiste Zeit in Wolken zu stecken. Und so war es auch während unserer Fahrradtour. Die Wolkendecke zog sogar immer weiter herunter, sodass zuletzt kaum noch etwas vom Berg zu sehen war.

Mt Fuji Fahrradtour

Die Runde um den See hat wenig Steigung oder Gefälle und ist in zwei bis drei Stunden gut zu schaffen. Für uns war es wieder eine schöne Abwechslung, mit dem Fahrrad zu fahren. Fast in jedem Land unserer Weltreise haben wir uns Fahrräder geliehen und es genossen, die Landschaft um uns herum so zu erkunden. Am Abend konnten wir von der Terrasse unseres Hostels dann auch den oberen Teil vom Mount Fuji noch einmal bewundern.

Mt Fuji Blick vom Hostel

Onsen: unser Alternativprogramm zum Fuji-Gucken

Weil sich der Mount Fuji an unserem zweiten Tag komplett hinter einer Wolkendecke versteckte, tauschten wir spontan unsere Wanderpläne gegen Entspannung aus. Mit dem kostenlosen Shuttle des Yunari Onsen wurden wir vom Bahnhof Kawaguchiko abgeholt und zum Onsen gefahren.

Mt Fuji Privat Onsen

Ein Onsen ist eine Art Thermalbad, von denen es in Japan wirklich viele gibt. Das heiße Wasser in den Bädern stammt in der Regel von einer unterirdischen heißen Quelle und sorgt für entspannte Momente. Wir gönnten uns zunächst 50 Minuten in einem Privat-Onsen, da die öffentlichen Bäder für Männer und Frauen hier sonst getrennt waren. Die öffentlichen Pools waren aber auch sehr schön und von hier bietet sich an einem klaren Tag ein wahnsinnig beeindruckender Ausblick auf den Mount Fuji. Wir konnten für zwei Minuten immerhin die linke Seite sehen ;)

Auch ohne Ausblick genossen wir die Stunden im heißen Wasser sehr und freuen uns jetzt schon auf unsere Zeit in einer kompletten Onsen-Stadt in einer Woche. Dann berichten wir noch einmal etwas ausführlicher über die komplexen Regeln für einen Onsen-Besuch.

Exkurs: Einkauf im japanischen Supermarkt

Da wir uns in unserem Hostel so gut selbst versorgen konnten, machten wir mehrere Abstecher in den lokalen Supermarkt. Für uns ist das immer ein spannender Moment, wenn wir durch die Regale streifen und neugierig die lokalen Produkte beäugen. Hier in Japan konnten wir vieles so gar nicht zuordnen, weil wir es vom Aussehen nicht erkannten und die japanischen Schriftzeichen uns auch nicht weiterhalfen.

Mt Fuji Supermarkt

Die Preise für die Lebensmittel sind hier eher hoch, dafür ist die Qualität aber auch sehr gut. Wir kauften Steak, Garnelen und frischen Salat ein und waren mit allem sehr zufrieden. Es machte uns Spaß, mal wieder selbst zu kochen und dadurch auch einiges an Geld zu sparen.

Mount Fuji in der Nebenrolle

Wir hatten uns vorher auf ein paar schöne Tage in der Natur am Kawaguchiko See gefreut und waren daher nicht enttäuscht, dass wir vom Mount Fuji immer nur Abschnitte gesehen haben. Sicher hätten wir uns über einen klaren Blick bei tollen Wetterverhältnissen gefreut. Aber auch so hatten wir mit unserer Fahrradtour und der Entspannung im Onsen eine gute Zeit in Fujikawaguchiko.