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Stell dir vor, du betrittst einen riesigen Park voller Grünflachen, Urwalddickicht und Flüssen und du weißt: Hier kann mir jeden Moment ein Tiger, ein Nashorn oder ein wilder Elefant über den Weg laufen. Einfach so. Der einzige Schutz, den du hast, ist ein Nepalese mit Bambusstock. Und damit herzlich willkommen, du bist mittendrin im Bardia Nationalpark!

Nepal Bardia Nationalpark Fluss

Lange Anreise zum Bardia Nationalpark

Wir haben uns für die verbleibenden Tage in Nepal weiter in den Westen des Landes vorgearbeitet zu einem Fleckchen (fast) unberührter Wildnis. Der Bardia Nationalpark ist ganze 968km² groß und beherbergt über 70 Bengalische Tiger, 29 Panzernashörner, wilde Elefanten, Leoparden, Krokodile, Affen und noch ganz viele weitere Tiere. Und mit der Aussicht, diese Tiere live und ohne Zaun, sondern in ihrem Territorium zu sehen, haben wir uns auf den langen Weg gemacht.

Dadurch, dass der Bardia Nationalpark so weit westlich liegt, steht er bei Touristen nicht so hoch im Kurs wie der Chitwan Nationalpark. Der ist von Kathmandu und Pokhara aus gut erreichbar und dementsprechend wird er auch von Touristengruppen gestürmt. Wir wollten die Wildnis ohne Touristentrubel genießen und haben von Lumbini aus zwei Busse nach Butwal und dann noch mal 8 Stunden Fahrt im local Bus auf uns genommen, um den unberührteren Park zu erkunden. Von Pokhara oder Kathmandu fahren die Busse ca. 14 Stunden. Und um das schon mal vorwegzunehmen: es hat sich absolut gelohnt! :)

Nepal Karte Bardia Nationalpark

Mit Guide in den Bardia Nationalpark

Wir sind an zwei Tagen in Begleitung unseres Guides Manmohan in den Park gegangen. Alleine darf man den gar nicht betreten und das aus gutem Grund: die Tiere leben frei und bewegen sich innerhalb des ganzen Parks so wie es ihnen gefällt. Auch nach außen hat der Park keine Begrenzung und die Elefanten gehen zum Beispiel nachts gerne in die umliegenden Reisfelder oder wandern ins 8 Kilometer entfernte Indien. Wir bekamen zu Beginn unserer Walkingtour eine Einweisung, wie wir uns zu verhalten haben wenn wir einem Tiger, Nashorn oder Elefanten begegnen (bei allen war hinter einem Baum verstecken eine Option, nur bei Elefanten sollte man nicht drauf klettern). Das sind die so richtig gefährlichen Tiere, bei den anderen guckt man dann eben spontan ;)

Nepal Bardia Nationalpark Fernglas

Adrenalin pur

Als wir an unserem ersten Tag im Park gerade mal zehn Minuten auf einem Trampelpfad durch das hohe Gras unterwegs waren, hielt unser Guide vor uns abrupt an. Entfernt konnte man verschiedene Tiere schreien hören und er erklärte uns im Flüsterton, dass gerade die Affen schreien, um die Rehe zu warnen und kurz danach stießen auch die Rehe Schreie aus. Das war ihr Warnsignal, dass dort ein Tiger unterwegs war! Unser Puls schnellte sofort in die Höhe und wir gingen unter höchster Anspannung weiter durch das Gras. Hier würden wir nie im Leben erkennen, wenn ein Tiger auf dem Weg zu uns ist! Bei jedem kleinsten Geräusch schauten wir uns panisch um, ob sich da gleich ein Raubtier auf uns stürzen würde. Tat es nicht. Die Anspannung wich aber nur langsam, denn uns war schnell bewusst geworden: wir sind hier im Territorium des Tigers, ganz ohne Barriere. Wenn wir einen sehen, dann gibt es keine Absperrung und kein Gitter dazwischen. Eine beängstigende Vorstellung! Wir wollten ja gerne einen Tiger in freier Natur sehen, aber bitte mit ordentlich Abstand dazwischen.

Unser Weg durch den Park führte durch Wälder, Urwalddickicht, trockene Steppen und immer wieder auch durch den Fluss. Immer wenn unser Guide unvorhergesehen stehen blieb und konzentriert die Ohren spitzte, ging unser Puls wieder in die Höhe. Bei lautem Geraschel und Bewegungen beobachteten wir unsere Umgebung angestrengt, um die Verursacher auszumachen. In den meisten Fällen waren das Affen (Makaken), die sich von Ast zu Ast schwangen und sich gegenseitig jagten.

Nepal Bardia Nationalpark Affe

Sprintend Richtung Tiger

Die Guides stehen untereinander im Kontakt und informieren sich wenn sie wilde Tiere sehen. So kam es, dass unser Guide einen Anruf bekam und wir plötzlich lossprinteten. Da war keine Zeit mehr, die FlipFlops anzuziehen – durch den Fluss in den Trailschuhen und auf der anderen Seite weiter durch Gras und Gestrüpp denn ein Tiger hielt sich in der Nähe auf. Franzi konnte vor Angst kaum laufen, denn es erschien ihr völlig irrsinnig, in Richtung eines Tigers loszurennen! Ihr Überlebenstrieb sagt ihr eher, genau in die andere Richtung zu laufen… Letztendlich war der Tiger verschwunden als wir ankamen und ließ sich danach auch nicht mehr blicken.

Was wir in den Tagen im Bardia Nationalpark gelernt haben, ist Geduld. Lange saßen wir an einem bestimmten Platz (oft mit Blick auf den Fluss) und haben dort still ausgeharrt, in der Hoffnung, dass sich ein Tier zeigen würde. Der Nationalpark hat die höchste „Tigerdichte“ in ganz Asien und somit ist die Wahrscheinlichkeit höher als in vielen anderen Parks, dass man einen zu Gesicht bekommt. Ob wir auch einen Tiger gesehen haben, kannst du im passenden Video zum Beitrag erfahren. Hier nur so viel: frische Spuren des Tigers haben wir an beiden Tagen auf unseren Wegen gesehen und das war schon ein irrer Nervenkitzel, zu wissen, dass kurz vor uns eine der riesigen Raubkatzen hier langgewandert war!

Nepal Bardia Nationalpark Tiger Fußspuren

Am Ende unseres ersten Tages haben wir noch Nashörner gesehen. Zwei waren im Fluss baden und eins ist gemütlich in Richtung des Wassers durch das Gras geschlendert. Wir hätten das Nilpferd im Gras niemals erkannt. Oder das Krokodil am anderen Flussufer. Der Adler in den Bäumen. Gut, dass wir Manmohan mit seinen geschulten Augen dabei hatten. Und sein Fernglas! So konnten wir einen guten Blick auf die Tiere erhaschen.

Nepal Bardia Nationalpark Nashorn

Elefantenkuscheln

Im Bardia Nationalpark gibt es zum Einen wilde Elefanten und zum Anderen domestizierte Elefanten. Diese werden von den Parkangestellten geritten und zur Bewachung des Parks (z.B. vor Wilderern) genutzt. Außerhalb des Parkes gibt es ein Hattisar. Hier wird sich um die Elefanten gekümmert und versucht, die Population der Dickhäuter weiter auszubauen. Für wenig Geld kann man hier am Nachmittag die Elefanten beim Fressen beobachten und mit dem jüngsten Sprössling (2 Monate) spielen und knuddeln. Die Kleine ist das Produkt eines Besuchs der wilden Elefanten(männer) im Hattisar.

Nepal Bardia Nationalpark Elefant Hattisar

Insgesamt war es eine richtig schöne Erfahrung, durch den Park zu streifen und auf der Pirsch zu sein nach wilden Tieren. Man kann auch mit einem Jeep oder auf dem Rücken eines Elefanten durch den Park ziehen. Der Jeep war uns zu teuer (und zu laut) und Elefanten wollten wir nicht reiten. Die Tiere sind nicht dafür gemacht, 6-8 Touristen auf dem Rücken zu tragen! Durch das Laufen im Park entsteht erst diese intensive Erfahrung, keine Barriere zwischen sich und den Tieren zu haben. Wir haben die Zeit unglaublich genossen und uns fernab von Social Media und Internet total auf die Natur und deren Wunder eingelassen.

Tharu Dörfer

Nepal Bardia Nationalpark Tharu Dorf

Neben dem Bardia Nationalpark selbst hat uns auch die umliegende Gegend in ihren Bann gezogen. Es sah aus wie auf einem riesigen Bauernhof. Überall traf man frei herumlaufende Ziegen, Kühe, Büffel und Hühner an. Die Ochsen wurden vor den Karren gespannt um das Feld zu pflügen und vor den Häusern türmten sich die Strohberge. Hier leben die sogenannten Tharu, ein Volk, das sehr lange isoliert im Urwald zwischen Nepal und Indien gelebt hat und bekannt ist für seine Wandmalereien. Es war eine echte Idylle! Und wäre die Begrenzung durch unser Visum nicht gewesen, wären wir gerne noch einige Tage länger in diesem Örtchen geblieben. Es war ein richtig schöner Abschluss unserer Reise durch Nepal, auf der wir die unterschiedlichsten Landschaften sehen konnten. Was wir zuvor schon in Nepal erlebt hatte, kannst du in unseren anderen Reiseberichten lesen.

Mit dem Abbruch unserer Himalaya-Wanderung hatten wir auf einmal eine Woche mehr Zeit als geplant. Und nun? Ein viel gereister Engländer hatte uns auf einer Busfahrt Lumbini ans Herz gelegt. Der winzige Ort liegt 200 Kilometer südlich von Pokhara und befindet sich im Terai. So nennt sich die Region an der Grenze zu Indien. Sie ist die grüne Oase des Landes, die inzwischen für mehr als 50% des Bruttoinlandsproduktes sorgt und die Hälfte der nepalesischen Bevölkerung beherbergt. Also haben wir uns Ende Oktober in den Bus gesetzt, sind sieben Stunden lang Serpentinen durch die nepalesische Berglandschaft gefahren um schließlich an einem der wichtigsten Pilgerorte der Buddhisten anzukommen: Lumbini.

Für uns wurde der Wechsel der Klimazonen spürbar durch die feuchtwarme Luft und noch mal höhere Temperaturen. Tagsüber kletterte das Thermometer über die 30°C und wir suchten uns mittags ein schattiges Plätzchen. Abends haben wir ganz viele neue Freunde gefunden: Mücken! Sie haben sich auf uns gestürzt und unser europäisches Blut gesaugt, als ob es da sonst keine Touristen gäbe. Die erste Nacht im Hotel hat Matthias größtenteils mit dem Jagen und Erschlagen der Viecher verbracht :)

Maya Devi Tempel

In unserem schlaftrunkenen und zerstochenen Zustand machten wir uns am zweiten Tag in Lumbini auf den Weg zum Maya Devi Tempel. Maya Devi ist die Mutter Buddhas und in dem Tempel soll die Geburtsstelle zu sehen sein. Nach erfolgreichem Ticketkauf durften wir auch schon die Schuhe ausziehen und uns den Tempel ansehen. Das Gebäude selbst ist herrlich unspektakulär und hat wenig mit einem Tempel gemeinsam (so wie wir uns das vorstellen). Im Inneren finden sich jedoch die Mauerreste des damaligen Tempels inklusive des Geburtsmarkers (ein Stein). Unterhalb der Statue vom Buddha und seiner Mutter klebten chinesische Touristen Blattgold an die Wand. Ein netter Sicherheitsmensch erklärte uns, dass das eine Art Wertschätzung Buddhas ist. Sah auf jeden Fall schön aus! Um diesen Tempel herum stehen weitere Mauerreste von Stupas und Tempeln aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Damit sind es auch die ältesten Gebäude in ganz Nepal. Buddha selbst soll 629 v.C. geboren worden sein und hat seine Geburtsstätte später als wichtigen Pilgerort für die Buddhisten ausgegeben.

Nepal Lumbini Maya Devi Tempel

Der Sacred Garden umschließt den Maya Devi Tempel und hier sahen wir Mönche und eine buddhistische Touristengruppe meditieren. Der gleichförmige Gesang zog uns in den Bann und wir schauten ihnen eine ganze Weile dabei zu.

Die Tempelanlage in Lumbini

Lumbini besteht nicht nur aus dem Maya Devi Tempel und dem Sacred Garden drumherum. Die Anlage ist tatsächlich sehr groß und weitläufig. 1896 ist der Ort von Archäologen wiederentdeckt worden und ist für Buddhisten von großer Bedeutung. Geplant ist es, dass viele Nationen auf dem großen Gelände buddhistische Tempel errichten und so den buddhistischen Glauben ihres Landes dort repräsentieren. Damit soll der Ort zum Pilgerort für Buddhisten weltweit werden. Soweit der Plan. Jetzt sind wir in Nepal immer noch in einem der ärmsten Länder der Erde. Und das heißt eben auch, dass alles etwas länger dauert. Es stehen bereits einige Tempel, viele sind noch im Bau und noch mehr existieren noch gar nicht.

Der Tempel von Kambodscha beeindruckte uns von weitem sehr, als wir davor standen, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Hier scheint man Gebäude von oben nach unten zu bauen, gestützt durch Bambusgerüste. Dass das überhaupt hält! Da die gesamte Anlage schon eine ganze Weile besteht, wuchern die vorhandenen Wege oder Hinweisschilder leider auch schon wieder zu und man findet viel Müll entlang der Wege. Das ist echt schade und gibt insgesamt ein eher skurriles Bild ab. Die fehlende Pflege und Instandhaltung der Anlage wirkt wenig wertschätzend und passt zumindest für unsere westlichen Augen nicht zu einem spirituellen, heiligen Ort.

Nepal Lumbini Tempel Kambodscha Baugerüst

Wir hatten gehofft, vor Ort noch mehr über den Buddhismus zu erfahren – sei es durch einen Guide, den man bezahlt oder Hinweisschilder. Immerhin ist die ganze Anlage bereits 1997 zum Weltkulturerbe erklärt worden. Die Einzigen, die sich uns aber immer wieder aufdrängten, waren Rikscha-Fahrer, die uns durch den Park kutschieren wollten. Wir fanden es schade, dass vor Ort keine Informationen zum Buddhismus gegeben werden. So als Nicht-Buddhisten hätte uns das schon auch interessiert! Das Tourist Information Center haben wir erst auf dem Rückweg entdeckt, vielleicht hätten wir da mehr Informationen bekommen…

Nepal Lumbini ewige Flamme Peace Stupa

Fahrradtour durch die Tempel von Lumbini

Die beste Art, um die ziemlich weitläufige Anlage zu erkunden, ist unserer Meinung nach auf dem Fahrrad. In dem Örtchen neben der Anlage kann man knallpinke Modelle schon für 250NPR am Tag (knapp 2€) mieten. Die haben zwar keine Gangschaltung und quietschen ordentlich, aber egal! Endlich mal wieder Fahrrad fahren. Außerdem sieht man einfach viel mehr!

Nepal Lumbini Fahrrad fahren

Witzige Anekdote am Rande: Während wir um den (unserer Meinung nach) schönsten Tempel liefen und die tolle Gartenanlage drum herum bestaunten, waren wir uns sicher: das muss der japanische Tempel sein! Die haben doch so akkurate und super gepflegte Parkanlagen und es fiel extrem auf, wie schön und sauber diese Anlage war. Dazu die verspielten Malereien im Tempel, klare Sache: Japan. Es steht leider oft nicht außen dran, zu welchem Land der Tempel gehört und unser Plan aus dem Reiseführer schien etwas veraltet. Auf einem Übersichtsplan etwas weiter im Park stellten wir dann verblüfft fest: dieser tolle Tempel mit der superschönen Gartenanlage drum herum ist der deutsche! Was?! Also gut, mit Ordnung und Sauberkeit haben wir es ja bekanntlich. Aber mit Tempeln?!

Nepal Lumbini Yogapose

Fazit Lumbini

Lohnt es sich nun für Nicht-Buddhisten, die Geburtsstätte Buddhas aufzusuchen? Wir haben von der Religiösität und Spiritualität dieses Ortes leider weniger mitbekommen als erhofft. Am beeindruckendsten war eine Gebetsstunde vor einer großen Buddhastatue im chinesischen Tempel, die wir von außen betrachten konnten. Es gibt Meditationszentren innerhalb der Anlage und auch an Ritualen kann man teilnehmen, muss das allerdings vorher organisieren. Wir hätten uns gewünscht, dass es Guides oder Hinweistafeln gibt, die über Hintergrund und Geschichte informieren können.

Die verschiedenen Tempel der Länder haben wir uns gerne angesehen. Unsere Favoriten waren der deutsche, chinesische und thailändische Tempel. Alle Tempel kann man in der Regel auch von innen besichtigen. Schade ist, dass vieles schon wieder zuwächst und der Müll – trotz höchster Mülleimerdichte, die wir bisher in Nepal gesehen haben – sich in den Nebenstraßen sammelt. Wir fanden es trotzdem schön, diesen für die Buddhisten so wichtigen Ort besichtigt zu haben.

Namaste aus Lumbini!

Nepal Lumbini chinesischer Tempel

Nachdem wir im ersten Teil schon von den ersten fünf Tagen unserer Wanderung berichtet haben, berichten wir hier nun vom zweiten Teil des Annapurna Circuit. Je höher wir aufsteigen, desto mehr ändert sich nicht nur die Landschaft um uns herum und wird karger. Auch die Gebetsmühlen und Marnisteine zeigen uns, dass wir in einer anderen Region unterwegs sind. Die höher gelegenen Dörfer sind buddhistisch geprägt. In jedem Dorf stehen nun Gebetsmühlen, um die im Uhrzeigersinn herum gegangen werden muss. Es soll Glück bringen, die kleinen Mühlen dabei (ebenfalls im Uhrzeigersinn) zu drehen. Also machen wir das fleißig, kann bestimmt nicht schaden ;)

Nepal Annapurna Circuit Gebetsmühle

6. Tag: Pisang-Ngawal (11km)

Der sechste Tag auf dem Annapurna Circuit fing nasskalt an. Heute wickelten wir uns zum Frühstück sogar in unsere Daunenjacken, weil wir so froren. Morgens wird der Ofen nämlich nicht angemacht. Und wenn dann Tee und Porridge noch auf sich warten lassen, muss man sich anders wärmen. Sobald wir aber ein paar Meter zurückgelegt hatten, konnten wir uns wieder aus einigen Schichten herauspellen. Anfangs ging es nur leicht auf und ab, aber nach einer knappen Stunde stand uns dann der bisher schwierigste Anstieg bevor. Steil sollte es 350 Höhenmeter hinauf gehen – und das Ganze auf über 3000 Metern. Hier befindet sich nur noch die Hälfte des Sauerstoffs in der Luft. Und das macht sich durch einen höheren Puls schnell bemerkbar. Die Schritte fallen schwerer und es geht langsamer voran.

Nepal Annapurna Circuit Berg Ghyaru

Wir sind diesen Anstieg gaaaanz gemächlich hochgeschlichen, haben fast an jeder Kehre eine kurze Pause gemacht und viel getrunken. Und die Mini-Pausen für Fotos und Videos genutzt. Dadurch hat es zwar echt lange gedauert, bis wir endlich in Ghyaru angekommen sind, dafür hatten wir dort oben dann aber keine Kopfschmerzen oder andere Symptome der Höhenkrankheit. Und der Ausblick war einfach sagenhaft! Der frühere Weg führt gar nicht hier oben lang, sondern unten an der staubigen Jeep-Piste. Wir haben uns dazu entschieden, die extra Höhenmeter mitzunehmen, um das Panorama genießen zu können. Und wir sind der Meinung: dieser Umweg lohnt sich enorm!

Nepal Annapurna Circuit Berg Ghyaru Franzi

Zimtschnecken auf über 3500 Metern

Nach einer ausgedehnten Mittagspause mit Nudelsuppe und Ingwertee geht es schließlich weiter bis zum Tagesziel Ngawal. Auf halber Strecke dorthin erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung – 3780 Meter, Wahnsinn! Und noch verrückter: da verkaufen die dort oben doch tatsächlich Zimtschnecken! Matthias hatte in den vergangenen Tagen immer vergeblich nach dem Süßkram gesucht und jetzt gibt es das auf der Höhe. Vielleicht kannst du dir vorstellen, wie groß die Freude da war.

Nepal Annapurna Circuit Ngawal Paar

Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich eine schöne, gemütliche Lodge kurz vor Ngawal und beziehen dort unsere Zimmer. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und wir genießen den atemberaubenden Blick auf die umliegenden Berge. Ein kurzer Spaziergang hinein nach Ngawal wird dann wegen des eisigen Windes abgebrochen und den Abend verbringen wir nahe am Ofen in der Dining Hall. Die Männer gehen später noch mal raus, um die Sterne am Himmel mit der Kamera einzufangen.

Nepal Annapurna Circuit Ngawal Sternenhimmel

7. Tag: Ngawal-Manang (10km)

Heute steht uns die bisher kürzeste Etappe bevor. Deswegen frühstücken wir auch mal etwas später und laufen erst gegen 9 Uhr los. Die kürzeste Etappe ist dann auch die unspektakulärste was den Untergrund angeht. Die meiste Zeit laufen wir auf einer sehr staubigen Piste und die ab und an vorbeibrausenden Jeeps hinterlassen noch lange Zeit später kleine Sandstürme. Die Luft wird immer trockener und das merken wir beim Atmen. Höhentechnisch ist die heutige Strecke völlig unproblematisch, insgesamt gehen wir sogar etwas herunter, denn unser Ziel Manang liegt auf 3540 Metern und damit über 100 Meter tiefer als Ngawal. Kurz bevor wir in Manang ankommen, laufen wir auf einmal durch eine große Weide, die voll ist mit Yaks. Vereinzelt hatten wir immer mal wieder welche gesehen, aber nie so viele auf einem Haufen. Im Hintergrund läuft eine Yak-Herde durch den Fluss zum anderen Ufer, es ist beeindruckend. Diese zotteligen Riesenkühe grasen gemütlich vor sich hin und flößen einem durch ihre Größe dann doch Respekt ein.

Nepal Annapurna Circuit Yaks

Manang ist die Kreisstadt der Region und die letzte Stadt, die noch über die Jeep-Piste zu erreichen ist. Und hier wird es auf einmal auch ziemlich voll. Es ist gar nicht so leicht, drei Zimmer für uns in einem Hotel zu bekommen, weil so viele schon belegt sind. Bisher haben wir die Ruhe und Abgeschiedenheit der kleinen Dörfer immer sehr genossen. Klar sind auch andere Wanderer unterwegs. Aber voll war es nie. Wir fühlen uns so inmitten der vielen Touristen wenig wohl und beschließen, den Akklimatisationstag in Manang auszulassen bzw. auf die nächste Höhe zu verschieben. Damit müssen wir nur eine Nacht in Manang bleiben und entkommen dem großen Touristenstrom.

8. Tag: Manang-Yak Kharka (15km)

Der Wecker klingelt heute noch einmal früher als sonst, damit wir pünktlich 6.30 Uhr beim Frühstück sitzen und hoffentlich als eine der Ersten die heutige Etappe antreten können. Soweit der Plan. In Realität sieht es so aus, dass wir 20 Minuten frierend an unserem Tisch sitzen und auf unser Frühstück warten. Auch gut. Dann starten wir eben doch erst 7.30 Uhr auf den Wanderweg, der uns heute auf über 4000 Meter bringen soll.

Schon kurz nach Manang beginnt der lange Anstieg, auf dem wir wieder im Schneckentempo Höhenmeter gewinnen und versuchen, dabei nicht aus der Puste zu kommen. Anne und Christian merken die Höhe heute deutlich und entscheiden beim Zwischenstopp in Gunsang, dass sie nicht weiter aufsteigen werden und erst morgen weiterwandern. Deana und Michael sind schon vorgelaufen Richtung Yak Kharka. Da wir uns noch gut fühlen und keinerlei Symptome der Höhenkrankheit verspüren, machen wir uns ebenfalls auf den Weg in das auf 4020 Metern gelegene Örtchen. Nach insgesamt vier Stunden kommen wir dort an und befinden uns nun tatsächlich auf über 4000 Metern, irre! Leichte Kopfschmerzen verspüren wir jetzt doch und stärken uns erst mal.

Nepal Annapurna Circuit Ledar Gruppe

Am Nachmittag geht es noch einmal etwas höher – ohne das große Gepäck. Zur Akklimatisierung wird geraten, immer etwas höher zu gehen (200-300 Höhenmeter) um dann besser schlafen zu können. Also spazieren wir in den nächsten Ort und gönnen uns dort zusammen mit Deana und Michael einen Tee. Als wir später wieder absteigen, begleitet uns ein eisiger Wind und wir versuchen, uns im Zimmer aufzuwärmen (in den Zimmern gibt es natürlich keine Heizung oder ähnliches, wir verkriechen uns einfach unter vielen Schichten aus Klamotten, Schlafsack und Decke). Die kurze Ruhephase führt aber bei Franzi zu Kopfschmerzen und Schwindel, die auch nach dem Abendessen nicht vergehen.

Starke Kopfschmerzen in der Nacht

Es folgt eine lange, ungemütliche und sorgenvolle Nacht für uns beide. Franzi hat stärkere Kopfschmerzen und kann nicht schlafen. Matthias macht sich große Sorgen und wir wägen ab, ob wir in der Nacht absteigen müssen. Symptome der akuten Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Herzrasen, Atemnot) sollten ernst genommen werden, da sie sogar zum Tod führen können. Bleiben sie auch nach 12 Stunden bestehen oder verschlimmern sich, muss sofort abgestiegen werden. Zur Überprüfung von Franzis Orientierung lässt Matthias Rechenaufgaben ausrechnen und achtet auf die Atmung. In vielen Fällen merken Betroffene selbst nicht mehr, dass sie beeinträchtigt sind. So schlimm ist es bei Franzi aber nicht.

9. Tag: Abstieg nach Manang (10km) und Jeep-Trip

Als am Morgen die Kopfschmerzen weiterhin bestehen und sich zusätzlich eine starke Erkältung ankündigt, treffen wir die Entscheidung: wir müssen runtergehen. Es fällt uns irre schwer, so kurz vor dem Pass (wäre am übernächsten Tag gewesen) umzukehren. Wir wägen das Für und Wider ab, überlegen ob es sinnvoll ist, auf der Höhe zu bleiben und auf Besserung zu warten. Aber mit der Erkältung fühlt sich Franzi zu geschwächt, um weitere 1000 Höhenmeter in Angriff zu nehmen.

Mit hängenden Köpfen treten wir den Rückweg nach Manang an. Franzi wäre eigentlich nach warmem Bett und Liegen zumute gewesen. Stattdessen wandern wir zehn Kilometer in vier Stunden zurück. Angekommen in Manang erkundigen wir uns nach einem Jeep zurück zum Ausgangsort Besisahar. Und tatsächlich fährt innerhalb der nächsten halben Stunde ein Jeep zurück, was ein Glück. Dachten wir. Bis die Jeep-Tour dann startete. Ein Höllenritt, den wir so noch nicht erlebt haben!

Höllenritt im Jeep – schlimmer geht immer

Die „Straße“ bestand die meiste Zeit aus großen Steinen, hatte immense Schlaglöcher und war eigentlich nie eben. Beim Wandern fanden wir die unterschiedlichen Untergründe noch toll, im Jeep verfluchten wir sie. Wir wurden permanent durchgeschüttelt, stießen uns die Köpfe und krallten uns panisch an den Sitzen fest. Dazu kommt, dass die Jeeps vollgestopft werden ohne Ende. Wir saßen zu viert auf der Rückbank, zwei weitere Männer saßen vorne neben dem Fahrer und auf der Ladefläche saßen/standen noch mal fünf (auf unseren Rucksäcken). Der Jeep fuhr durch Schlamm, durchquerte mehrfach den Fluss und arbeitete sich durch die Geröll- und Steinwege, die in Nepal Straßen genannt werden. In Deutschland wäre niemand überhaupt auf die Idee gekommen, dass man da lang fahren könnte! In Nepal wird dann der 4-Wheel-Drive angeworfen und das Auto irgendwie durchmanövriert.

Nach 5 Stunden Fahrt wurde es dann stockdunkel. Unser Fahrer entschied, dass die Weiterfahrt zu gefährlich sei und wir hielten mitten im Nirgendwo bei einem kleinen „Hotel“. Uns war inzwischen alles egal, Hauptsache raus aus dem Jeep. Wir vereinbarten, dass die Fahrt am nächsten Morgen früh weitergehen sollte, damit wir in Besisahar noch einen Bus nach Pokhara bekommen können.

10. Tag: Weite Reise zurück nach Pokhara

Wenn wir gedacht hatten, dass der schlimmste Teil der Jeep-Piste vorbei war, dann lernten wir heute früh, dass wir uns getäuscht hatten. Die Straße bestand aus Steinbergen und unsere Rücken- und Nackenwirbel wurden regelmäßig zusammengestaucht. Es ist wirklich schwer, diese Fahrt zu beschreiben, weil wir uns sowas vorher auch nicht hätten ausmalen können. Zum Filmen oder Fotografieren konnten wir aber leider keine Hand entbehren, die krallten wir ja schon ins Auto, um größere Schäden zu vermeiden. Als wir gegen 8 Uhr endlich Besisahar erreichten, waren wir völlig am Ende.

Wir besorgten uns die Tickets für den Bus nach Pokhara und frühstückten erstmal. Während der Fahrt hatten wir kein Essen zu uns genommen und das war sicherlich auch besser so! 10.30 Uhr stiegen wir in den Bus, der uns endlich ins gemütliche Hotelzimmer mit Dusche bringen sollte. Die Hinfahrt hatten wir noch im Touristenbus bestritten, heute lernten wir den local Bus kennen. Der Unterschied? Der Fahrer hält alle zwei Minuten, damit weitere Leute einsteigen können. Der Bus ist völlig überfüllt (dagegen war der Bus auf der Hinfahrt leer!). Die Menschen stapeln sich in den Gängen. Auf Matthias saßen die Leute zwischenzeitlich fast. Ein Huhn wurde im Karton mittransportiert.. wären wir nicht schon total fertig gewesen, hätten wir wahrscheinlich ununterbrochen lachen müssen. So nahmen wir alles hin und fieberten auf Pokhara hin. Dort kamen wir nachmittags 16 Uhr an und waren unendlich erleichtert, diese anstrengende und aufreibende Rückreise über 48 Stunden überstanden zu haben.

Nepal Annapurna Circuit local Bus

Fazit zum Annapurna Circuit

Ja, dieser letzte Teil unserer Wanderung war eine eher bescheidene Erfahrung. Er soll aber nicht den Gesamteindruck trüben. Denn insgesamt waren wir restlos begeistert. Die Landschaft hat uns völlig in ihren Bann gezogen und wir haben uns täglich mehrfach angeschaut und gesagt: „Wie geil ist das denn hier?“ Immer wieder haben wir uns gefreut, dass wir diese Landschaft hautnah erleben können. Dass unsere Füße uns und unser Gepäck die ganzen Wege entlang getragen haben und wir alles in unserem Tempo aufsaugen konnten.

Aus Zeitgründen gibt es inzwischen viele, die die ersten Etappen überspringen und einen Jeep in die höher gelegenen Ortschaften nehmen. Wir können das nicht nachvollziehen. Die ersten Wanderkilometer durch die Reisfelder, vorbei an zahlreichen Wasserfällen und über die ganzen Hängebrücken fanden wir superschön. Niemals würden wir freiwillig in einen Jeep steigen statt diese schönen Wege selbst zu gehen.

Nepal Annapurna Circuit Wasserfall

Einfaches Leben in den Bergen

Nicht nur die Landschaft um uns herum hat uns staunen lassen. Auch die Bewohner waren uns immer freundlich gesonnen. Wir konnten beim Durchwandern der kleinen Ortschaften einen Einblick in den Alltag der Nepalesen gewinnen. Es ist ein Leben, das uns manchmal wie im Mittelalter erschien mit den vielen Steinhäusern, den undichten Fenstern und den Hockklos, deren „Inhalt“ einfach auf die andere Straßenseite abgeleitet wurde.

Erneut wurde uns hier vor Augen geführt, mit wie wenig man auskommen kann. Wie haben wir uns am Abend über einen warmen Tee und einen warmen Ofen gefreut. Wie gut schmeckte Dal Bhat, ein einfaches Gericht aus Reis, Linsensuppe, etwas Gemüse und Kartoffelcurry. Insgesamt waren wir sehr angetan vom Essen, das wir auf dem Weg bekommen haben. Es hat uns überall geschmeckt und für uns war es variabel genug. Auch die Zimmer, Toiletten und Duschen fanden wir völlig in Ordnung. Es ist natürlich alles einfacher und reicht nicht an unsere westlichen Standards heran. Das musste es aber auch nicht, um für die Zeit der Wanderung zu genügen.

Nepal Annapurna Circuit Feuerstelle

Unsere tolle Wandertruppe

Das gemeinsame Wandern in unserer Himalaya-Gruppe hat viel dazu beigetragen, dass wir es als so tolle Erfahrung empfunden haben. Wir haben uns gut unterhalten, gemeinsam die Wandertage ausgewertet und die nächsten Routen geplant. Mit Anne, Christian, Deana und Michael vergingen die Etappen oft wie im Fluge. Es brauchte keinen Fernseher, keinen Computer, nicht mal in unsere Kindle haben wir reingeschaut. Die Natur und die frische Luft am Tage, die Gesellschaft und die Wärme am Abend waren genug. Wir haben aufeinander geachtet und uns gegenseitig motiviert. Gerne wären wir mit den anderen Vieren zusammen über den Pass gelaufen.

Nepal Annapurna Circuit Wandergruppe

Wir sind dennoch stolz auf unsere Leistung. In 9 Tagen sind wir über 130 Kilometer gewandert, haben 5700 Höhenmeter überwunden und sind so hoch gewandert wie noch nie zuvor! Wer kann schon behaupten, dass er auf 4250 Meter gewandert ist… im Himalaya! Wir hatten eine super Zeit und finden, dass das der perfekte Start für unsere Weltreise war!

Und hier seht ihr jetzt auch das dazugehörige Video!

 

Wir waren im höchsten Gebirge der Welt wandern! Kannst du dir das vorstellen?! Für uns ist es so kurz danach noch immer schwer zu fassen, was wir da erlebt und gesehen haben. Diese Bilder, die uns jeden Tag aufs Neue verzaubert haben. Die Landschaft, die sich immer stärker verändert hat und dadurch nie langweilig wurde. Die schneebedeckten Berge, denen wir ganz langsam immer näher kamen bis sie auf einmal zum Greifen nah zu sein schienen. Diese Erfahrungen sind schwer in Worte zu fassen. Die Weite der Landschaft kann man nicht mit Pixeln darstellen. Diese unheimliche Naturgewalt mir ihrer Farbenpracht und Weite muss man selbst erlebt haben! Vielleicht gelingt es uns, es zumindest ansatzweise festzuhalten.

Erstes Abenteuer – die Busfahrt nach Besisahar

Noch bevor es mit der Wanderung überhaupt so richtig los ging, stand schon das erste Abenteuer an: die Busfahrt nach Besisahar, dem Ausgangspunkt des Annapurna Circuits. Der Bus sollte 7 Uhr abfahren und ab 6.30 Uhr trafen immer mehr Wanderer auf dem kleinen Busbahnhof in Pokhara ein. Und dann noch mehr.. und noch mehr! So viele, dass Matthias irgendwann meinte, wir sollten lieber schon mal in den Bus gehen. Und das war eine gute Entscheidung! Der Bus war nämlich hoffnungslos überbucht und es gab nicht annähernd so viele Sitzplätze wie Tickets verkauft worden waren. Kein Problem für die Nepalesen. Da wurden dann eben 10 Hocker in den Bus reingestellt und die Leute konnten sich in den Mittelgang setzen. Es machte nicht den Eindruck, als ob das zum ersten Mal passiert war. Und trotz voll belegten Mittelgangs hielt der Busfahrer noch zwei Mal und lud Einheimische ein, die die Fahrt dann stehend verbrachten. Wir waren nur froh, dass wir Sitzplätze hatten.

Nepal Annapurna Circuit Besisahar

Los gehts! 1. Tag: Besisahar-Ngadi (12km)

Auf der Busfahrt hatten wir schon nette Bekanntschaften gemacht und als wir nach vier Stunden in Besisahar ankamen, suchten wir nicht alleine, sondern in Begleitung von Anne & Christian aus Marburg, Michael & Deana aus Boston sowie Enno aus Tübingen den richtigen Weg. Hoch motiviert kletterten wir zum Fluss hinunter und überquerten diesen – das sollten wir in den kommenden Tagen noch so einige Male machen. Unsere erste Etappe sollte ungefähr 12 Kilometer lang sein und uns in das kleine Örtchen Ngadi führen. Die Jeep-Piste konnten wir schon nach kurzer Zeit verlassen und nach der ersten Flussüberquerung auf einer Hängebrücke liefen wir durch Reisfelder hindurch. Es war alles wunderschön grün und eine Pracht fürs Auge. In dieser subtropischen Klimazone hat uns nicht nur der Weg sondern auch die Temperaturen gut zum Schwitzen gebracht! Als wir am Nachmittag unser Ziel erreichten und unsere Rucksäcke in den Wellblechhütten abstellten, ging es deswegen erst mal ab in die Dusche. Und auch wenn die vom Komfort her nicht annähernd an unser schönes Badezimmer in Hamburg heranreichte, in dem Moment fühlte sie sich himmlisch an! Den Abend verbrachten wir mit unseren neuen Weltreisefreunden und krochen schon früh in unsere Betten.

Nepal Annapurna Circuit Ngadi Duschen

2. Tag: Nadi-Jagat (18km)

Am zweiten Tag sollte unsere Route von Ngadi nach Jagat führen. Nachdem wir Porridge zum Frühstück als gut befunden hatten, wurde das der Klassiker für den Morgen. Mit ausreichend Power starteten wir in den Anstieg nach Bahundandi. Stetig ging es bergauf, mal steiler, mal flacher. Dabei wurden wir ständig mit der Aussicht über die unendlichen Reisterrassen belohnt. Und während wir uns so Meter für Meter höher kämpften, konnten wir gleichzeitig die Nepalesen in ihrem Alltag beobachten. Bei der Ernte auf dem Feld, beim Tragen von Holz oder die traktorfahrenden Jungs, die uns fröhlich angrinsten. Nach dem lang ersehnten Mittagessen in Germu konnte es mit frischen Kräften auf die zweite Hälfte der Wanderung gehen. Dabei mussten wir mehr über die Jeep-Piste laufen, die uneben und voller Geröll war. Das war schon zum Laufen nicht schön, wie sollte das befahren werden? Aber die ein bis zwei Jeeps, die uns entgegenkamen, hatten super gut gelaunte Nepalesen an Bord, die uns abklatschten.

Nepal Annapurna Circuit Reisfeld

Nach sieben Stunden beendeten wir unseren zweiten Wandertag in Jagat. Christian hatte für uns einen super Preis für Übernachtung und Essen ausgehandelt und in unserer zweiten Unterkunft waren die Matratzen sogar 5cm dick, Luxus pur! Abends gab es für uns Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht. Es schmeckte hervorragend und das Schöne beim Dal Bhat ist, dass es Nachschlag gibt. Damit perfekt für uns hungrige Wanderer! :)

Nepal Annapurna Circuit Ngadi Lodge

3. Tag: Jagat-Bagarchhap (24km)

Nach einer deutlich besseren Nacht (dank Luxusmatratze) stand am dritten Tag die längste Wanderetappe an: 22 Kilometer und 1000 Höhenmeter sollten überwunden werden. Wir hatten davor schon ziemlich Respekt, schließlich merkten wir nach den ersten beiden Wandertagen die Druckstellen unserer Rucksäcke ganz ordentlich. Aber wir haben uns immer gesagt: wir nehmen jeden Tag, wie er kommt und schauen dann weiter. Und so liefen wir einfach erst mal los und wussten ja: wenn es gar nicht mehr weitergeht, dann machen wir eben schon etwas früher unseren nächsten Halt.

Vorbei an tollen Wasserfällen ging es heute erst einmal durch einen kleinen Weg am Fluss bergauf. Der Weg erforderte unsere ganze Aufmerksamkeit, um nicht aus Versehen im tieferen Wasser zu stehen oder bei den vielen Steinen umzuknicken. Schritt für Schritt bewältigten wir so wieder viele Höhenmeter und hatten zu unserer Mittagspause in Tal schon die Hälfte der Strecke geschafft. Während der Mittagspause wurden wieder fleißig die Karten studiert. Unser Wanderführer* mit einem detaillierten Höhenprofil für jede Etappe half, uns mental schon mal auf die nächsten Anstiege vorzubereiten.

Nepal Annapurna Circuit Jagat

Dabei ging es nach der Mittagspause erst mal ziemlich flach am Fluss entlang. In diesem Abschnitt fielen auch die einzigen Regentropfen unserer gesamten Wanderung. Und es waren nicht mal so viele, dass wir unsere Regenjacke übergezogen haben. Von der Jahreszeit her können wir den Oktober für den Annapurna Circuit nur empfehlen! Nach einer kurzen Teepause schafften wir auch noch die restlichen Kilometer und kamen schließlich nach acht Stunden ganz schön erledigt in Bagarchhap an.

Wieder konnten wir hier kostenlos übernachten, weil wir in unserer Lodge aßen. Wir machten die Bekanntschaft von Sabrina und Thomas, die wir später auf dem Weg auch immer wieder trafen. So ging es uns mit einigen Wanderern, die ähnliche Etappen liefen. Ein Schweizer Ehepaar, das vor 35 Jahren (!) das erste Mal diese Wanderung gemacht hat, haben wir auch kennengelernt und immer wiedergesehen. Wir waren sehr beeindruckt davon, dass sie mit ihren 69 und 72 Jahren noch einmal diese Wanderung antreten. Durch sie haben wir auch einen Eindruck davon bekommen, wie es früher gewesen sein muss. Vor dem Tourismus, vor der Jeep-Piste und den Wandergruppen. Als sie bei den Bewohnern der kleinen Dörfer übernachteten und mit ihnen gemeinsam Dal Bhat am Feuer aßen. Es war faszinierend, sich das vorzustellen und den Schilderungen zu lauschen.

4. Tag: Bagarchhap-Chame (15km)

Nach dem Schrecken einer großen Spinne in unserem Zimmer am Abend zuvor hatten wir doch noch gut schlafen können und starteten ausgeruht in unseren vierten Wandertag. (Die Spinne wurde von der Gastgeberin beseitigt, wir waren beide zu feige dafür, was ein Monster!). Heute führte uns der Weg hinaus aus dem Dorf und hinein in den Wald. Serpentine für Serpentine ging es hinauf und der Untergrund wurde immer feuchter und morastiger. Irgendwann hieß das Spiel: Bleib nicht im Matsch stecken. Wir haben es geliebt! Das Laufen auf so unterschiedlichen Untergründen machte jeden Tag wieder spannend, selten liefen wir einfach nur einen ebenen Weg geradeaus. Die Mittagspause legten wir heute schon früh ein, um den Ausblick von Timang auf den Manaslu (8136m) ausreichend zu genießen. Auf der Dachterrasse eines der vielen Restaurants mussten wir uns warm einpacken, da es inzwischen doch kühl wurde so ohne Bewegung. Also Fleecejacke drüber, Buff über die Ohren und warmen Tee die Kehle runter. Dazu das erste Mal einen Ausblick auf einen 8000er – könnte fast nicht schöner sein ;)

Nepal Annapurna Circuit Timing

Nach der Mittagspause verabschiedeten sich Annes Wanderschuhe dann endgültig von ihr. Schon am ersten Tag hatte sich die Sohle leicht abgelöst und auf dem Weg zur nächsten Hängebrücke fielen sie nun echt auseinander. Merke: Gut eingelaufene Wanderschuhe sind wichtig für die Wanderung, vielleicht sollten sie aber nicht schon 11 Jahre eingelaufen worden sein ;) Glücklicherweise konnte Sabrina mit Schuhen in der richtigen Größe aushelfen und Anne kam über Hängebrücke, Anstieg und Steinstraße noch bis Chame. Dort hatten wir gemütliche Zimmer und konnten eine warme Dusche genießen – wenn man den Trick mit dem Gaserhitzer verstanden hatte. Während Anne und Christian neue Wanderschuhe kauften, kuschelten wir uns mit einer Kanne Tee in ein Doppelbett (sonst hatte es immer nur Einzelbetten gegeben) und hatten eine schöne Tea Time mit Deana.

Kartentricks bei Kerzenschein

Auf 2670 Metern wurde es jetzt nachmittags doch empfindlich kalt und wir freuten uns, dass es in unserer Lodge einen Ofen gab. Leider war der nicht gut anzukriegen, sodass wir bibbernd unser Dal Bhat essen mussten. Dann fiel auch noch der Strom im ganzen Dorf aus und wir aßen im Dunkeln und im Kalten. Hätte eine Tschechin nicht ihre Stirnlampe dabei gehabt, hätten wir nicht mal zur Toilette gefunden :D Irgendwann war es dann wieder hell und der Ofen wurde warm, sodass wir die neu besorgten Karten einweihen konnten. Deana brachte uns die amerikanische Variante von „Arschloch“ bei und Matthias sorgte für Staunen und offene Münder mit seinen Kartentricks. Das schafft er immer wieder. Das letzte Mal hat er auf einem Segelschiff auf dem Meer vor Australien für Bewunderung und Unglaube gesorgt. Und glaub mal nicht, dass er mir inzwischen den Trick verraten hätte! Ich sitze genauso verdattert davor wie die anderen, die den Trick zum ersten Mal sehen.

5. Tag: Chame-Lower Pisang (18km)

Ob es an dem Doppelbett lag oder am Grübeln über Matthias‘ Kartentricks – die letzte Nacht war eher unruhig und so mussten wir die heutige Etappe unausgeschlafener angehen. Christian gelang es aber schnell, wieder Leben in uns zu bekommen. An einem Stand in Chame erstand er Cronuts für alle! Cronuts sind eine Mischung aus Croissant und Donut. Und nein, so nennen die Nepalesen das natürlich nicht! Aber unsere Amis. Und deswegen haben wir diesen witzigen Namen übernommen. Hauptsächlich waren die Dinger fettig, und damit kennen sich Amerikaner schließlich aus ;)

Nepal Annapurna Circuit Pisang Tal

Unser Weg führte heute wieder durch Wälder und der Untergrund war weich und erdig (ist das ein Wort?). Auf jeden Fall sehr angenehm zu laufen! Wir kamen an riesigen Apfelplantagen vorbei, die mit Zäunen geschützt waren und Warnschilder hatten, die mit Bußgeld bei Betreten der Plantagen drohten. Das wirkte völlig fehl am Platz. Sowas hatten wir bisher noch gar nicht gesehen und fragten uns unvermittelt, ob die Besitzer wohl Ausländer sind. Nach einer Pause am Wegesrand mit Blick auf Annapurna II (7937m) und eine vorbeiziehende Muliherde liefen wir die letzten Kilometer durch ein Tal, das immer breiter wurde und kamen schließlich schon am frühen Nachmittag in Lower Pisang an. Das erste Mal befanden wir uns heute über 3000 Meter (auf 3200, um genau zu sein)!

Wir kletterten noch etwas höher nach Upper Pisang und hatten einen unschlagbaren Blick auf die umliegenden Berge. Die Sicht wurde von Tag zu Tag immer genialer! Matthias und Anne gönnten sich eine Knoblauchnudelsuppe, weil Knoblauch gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Und ehrlich, so viel Knoblauch wie da drin war, das hält vermutlich jede Krankheit ab! Auch ein Guide einer anderen Wandergruppe bestärkte uns noch mal, ordentlich Knoblauch zu essen, sodass wir zum Abendessen zusätzlich ein Naan mit Knoblauch aßen. Ich will nicht wissen, wie wir gerochen haben. Dem Geschmack nach, den wir noch am nächsten Morgen im Mund hatten, muss es echt hart gewesen sein!

Nepal Annapurna Circuit Pisang Fluss

Fazit nach den ersten 5 Tagen auf dem Annapurna Circuit

Insgesamt haben wir die ersten fünf Tage unserer Wanderung deutlich besser bewältigt als wir es vorher gedacht hatten. Wir hatten schon ordentlichen Respekt vor dem Tragen unserer Rucksäcke. Jeden Tag sind wir zwischen 13 und 23 Kilometern gewandert und haben dabei ja auch immer ordentlich an Höhe gewonnen. Aber wir sind gut zurechtgekommen. Unsere Füße sind nach fünf Tagen noch ohne Druckstellen und Blasen, sodass wir unbeschwert loswandern können. Franzis Zeh macht keine Probleme, und das, obwohl Matthias am zweiten Tag noch mal ordentlich draufgetreten ist! Der Zeh war dann zwar wieder etwas blauer, aber hat nur an dem Abend mehr weh getan.

Also bisher alles tutti! Wie es weiterging mit der Wanderung, wie wir mit der Höhe zurechtgekommen sind und was wir noch alles so gesehen haben, beschreiben wir im zweiten Teil! Außerdem können wir dir noch das passende Video zum Beitrag ans Herz legen! Hast du Fragen, gefällt dir, was du gelesen oder gesehen hast? Dann lass uns gerne einen Kommentar da!

Im Vorfeld unserer Wanderung des Annapurna Circuit im Himalaya haben wir versucht, so viele Informationen wie möglich zu finden, um uns gut vorzubereiten. Schließlich sind 14 Tage Wanderung auf Höhen bis zu 5000 Metern nicht sehr alltäglich… Für uns Deutsche! Da wir im Internet immer nur bruchstückhafte Informationen gefunden haben, wollen wir dir hier unser Wissen zur Wanderung bereitstellen.

Wir haben uns für den Annapurna Circuit entschieden. Das ist eine Rundwanderung, die zwischen 14 und 20 Tage dauern soll und an ihrem höchsten Punkt über einen Pass auf 5400 Metern geht. Technisch ist die Wanderung wenig anspruchsvoll und auch von der Kondition her sind die Etappen gut zu schaffen, ohne dass man vorher regelmäßig Marathon läuft.

Guide oder Porter oder alleine wandern?

Lange haben wir überlegt, wie wir die Wanderung bewerkstelligen sollen. In Nepal ist es möglich, für die Tour einen Guide zu buchen. Dieser führt einen durch die Gegend, kann einem viele interessante Informationen zu Kultur und Landschaft geben und die Gefahr des Verlaufens ist auf ein Minimum reduziert. Eine weitere Möglichkeit der Unterstützung bei der Wanderung ist ein Porter. Ein Porter trägt einem das Gepäck über die Berge und man selbst muss nur mit einem Tagesrucksack auf dem Rücken die Wanderetappen bewältigen. Da wir bisher keine Mehrtageswanderungen gemacht hatten, tendierten wir lange Zeit zu Variante Nummer 3: ein Porter-Guide. Das ist dann also eine Nepalese, der einem den Rucksack trägt und nebenbei auch noch den Weg kennt.

Wir ziehen auf eigene Faust los!

Nach viel Hin und Her haben wir uns schließlich dazu entschieden, die Wanderung selbstständig, ohne Porter oder Guide (oder Porter-Guide) in Angriff zu nehmen. Wir wollten uns die maximale Flexibilität bewahren und selbstständig entscheiden, wie weit wir laufen, wo wir essen und wo wir übernachten. Natürlich blieben da noch Zweifel, zum Beispiel: werden wir immer den richtigen Weg finden? Haben wir!

Wir haben uns den Rother Wanderführer* für den Annapurna Circuit zugelegt, der die ganze Wanderung in sinnvolle Etappen unterteilt, diese gut beschreibt und praktischerweise GPS-Daten für die Wanderung beinhaltet. Und da Matthias ja super ausgestattet ist, haben wir seine GPS-Uhr* dabei gehabt und die vorher abgespeicherten Treks unterwegs gut mit unserer Strecke abgleichen können. Und auch wenn du nicht so Hightech-vernarrt bist: einen Großteil der Runde läuft man durch Dörfer und die Bewohner können einem immer Auskunft geben, wo man lang muss. Außerdem bist du meistens auch nicht alleine unterwegs, in der Hauptsaison trifft man ständig andere Wanderer, die den Weg kennen und einige sind ja auch mit Guide unterwegs. Spätestens die können weiterhelfen und machen das auch gerne. Wir haben es ausprobiert!

Und zur Frage des Gepäcks: Franzi war sich sehr unsicher, ob sie so lange mit einem 10kg schweren Rucksack wandern könnte. Was uns beruhigt hat, war die Tatsache, dass man unterwegs immer noch einen Porter organisieren kann. Daher haben wir entschieden, dass wir es selbstständig probieren und sonst unterwegs noch reagieren können. Als wir auf der Wanderung die zierlichen Nepalesen (teilweise Frauen!), oft mit drei schweren Backpacks beladen, gesehen haben, waren wir froh, dass wir unsere Sachen selbst getragen haben. Für uns hat sich das nach moderner Sklaverei angefühlt.

Nepal Annapurna Circuit Porter

Die Formalitäten

Bevor es ans Wandern geht, müssen noch einige Formalitäten erledigt werden. Diese sollten aber nicht davon abschrecken, das Ganze selbstständig zu erledigen, das ist nämlich ziemlich einfach. Für die Wanderung benötigt man zum Einen eine Registrierungskarte (Trekkers Information Management System, kurz TIMS) und zum Anderen muss man Eintritt für den Nationalpark zahlen, weil man die Annapurna Conservation Area betritt. Beides lässt sich in Kathmandu oder Pokhara besorgen und von dort starten ja die meisten Trekker. Für beide Permits benötigt man jeweils zwei Passfotos und 2000 NPR bar. Zum Ausfüllen der Permits braucht man dann noch seinen Reisepass und innerhalb von 20 Minuten ist alles an Formalitäten erledigt!

Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem, sich in der Deutschen Botschaft in Kathmandu unter Angabe der Trekking-Route und der Versicherungsdaten zu registrieren. Wir haben das verschwitzt und haben erst jetzt rausgefunden, dass das auch online unter elefand.diplo.de möglich ist. Also: nicht wie wir machen, sondern registrieren!

Nepal Annapurna Circuit Permits

Die Anreise zur Wanderung

Der Startpunkt des Annapurna Circuit liegt für die meisten in Besisahar, da es aufgrund der Höhenakklimatisierung am sinnvollsten ist, die Wanderung gegen den Uhrzeigersinn zu laufen. Nach Besisahar fahren sowohl von Kathmandu als auch von Pokhara aus regelmäßig Busse. Wir sind von Pokhara aus gefahren und haben uns am Vortag direkt an der Busstation Tickets für den 7 Uhr Bus geholt, weil dieser direkt nach Besisahar fährt und man unterwegs nicht in Dumre umsteigen muss. Für die Bustickets haben wir 400 NPR pro Person bezahlt. Der Bus selbst war hoffnungslos überbucht und viele mussten die 4-stündige Fahrt sitzend im Gang verbringen. Es lohnt sich also, früh da zu sein, sich den Platz im Bus zu sichern und noch eine warme Zimtschnecke zu essen ;)

Unsere Packliste für den Annapurna Circuit

Die hat uns eigentlich am meisten Kopfzerbrechen bereitet… Wenn man auf über 5000 Meter wandern will, dann möchte man sich eigentlich seine Skihose und einen dicken Skipulli einstecken. Das kommt aber leider platztechnisch so gar nicht hin. Also haben wir uns für das Zwiebelprinzip entschieden und viele Schichten übereinander angezogen. Dinge mit einem § haben wir vor Ort gekauft, da wir sie nur für den Annapurna Circuit brauchen und nicht die gesamte Weltreise mitschleppen wollen. Diese können natürlich auch schon von zu Hause mitgebracht werden. Das war mit unseren kleinen Handgepäcksrucksäcken aber nicht drin. Prinzipiell gilt: Man bekommt eigentlich alles an Trekkingequipment auch in Nepal, der Preis ist oft deutlich geringer als in Deutschland, die Qualität dementsprechend aber auch!

Rucksäcke

  • Osprey Farpoint 40*
    Franzi hat ihren Handgepäcksrucksack über die Berge getragen. Er ist mit seiner Passform sicher nicht optimal (ist ja kein Wanderrucksack), war aber ausreichend gut zu tragen.
  • 60 l Wanderrucksack von „North Face“ (nachgemacht in „Nepal Quality“, etwa 32 €) §
    Den mussten wir vor Ort zusätzlich kaufen, weil wir nicht alles in unsere zwei Osprey Rucksäcke bekommen haben. Der ursprüngliche Plan sah einen Träger vor, dann hätten unsere Handgepäcksrucksäcke für die Wanderung gereicht. Wir haben aber dann doch alles selbst getragen, da brauchten wir etwas mehr Platz. Wenn man Dinge wie Schlafsack und Daunenjacken schon zu Hause in guter Qualität kauft und auf die Packmaße achtet, kommt man vielleicht auch mit kleineren Rucksäcken aus. Es ist nicht unbedingt zu empfehlen, einen so essentiellen Gegenstand wie den Wanderrucksack in schlechter Qualität und ungetestet mit auf eine lange Wanderung zu nehmen. Die Schnallen haben nicht gut gehalten, der Hüftgurt ist kaum gepolstert und der Reißverschluss des Hauptfachs ist aufgegangen, als wir durch einen Bach wateten (ist glücklicherweise aber nichts rausgefallen). Er hat aber trotz allem gereicht für die Wanderung :)
  • 15 l Deuter Rucksack*
    Den kleinen Daypack haben wir an Matthias‘ großen Rucksack drangehängt. Das lag daran, dass wir an den großen Rucksäcken zu wenig Außentaschen hatten (für sowas wie Taschentücher, Sonnencreme etc.). Außerdem hat der sich für Nachmittagsspaziergänge und Akklimatisierungswanderungen bewährt.

Dokumente

  • Reisepass
    Den wollten wir einfach nicht zurücklassen. Für die Wanderung war er nicht erforderlich.
  • Auslandskrankenversicherungsschein
    Für die Notfalltelefonnummern unterwegs.
  • TIMS und Entry Permit für Annapurna Conservation Area
    Auf der Route sind regelmäßig kleine Offices, in denen man sein TIMS vorlegen sollte. Dadurch wird versucht, die Wanderer zu registrieren, um im Notfall zu wissen, wo in etwa sich jemand auf der Strecke befunden hat.
  • Bargeld
    Ganz wichtig, hier genug dabei zu haben, weil es auf dem Wanderweg keine Möglichkeit mehr gibt, Bargeld abzuheben. Und unterwegs wird alles mit Bargeld bezahlt.

Nepal Annapurna Circuit Packen

Kleidung für den Annapurna Circuit

  • 1 Zip-Off-Trekkinghose* von Fjallräven
    Hat sich total bewährt! War super praktisch als kurze und lange Hose, der Stoff ist angenehm zu tragen und gleichzeitig sehr robust.
  • 1 Shorts
    Besonders in den ersten Etappen bei subtropischem Klima haben wir dünne Sporthosen für die Wanderung angezogen, da die Fjallräven Wanderhose aus dickerem Material ist.
  • 1 Merino-Leggings*
    Die haben wir zunächst oft zum Schlafen angezogen und später dann abends wenn es über 2500 Metern schnell kalt wird.
  • 1 bequeme Jogginghose
    Nach der Wanderung waren wir froh, wenn wir uns in die gemütliche Jogginghose gekuschelt haben. Über 2500 Metern haben wir dann oft noch die Leggings druntergezogen.
  • 1 Longsleeve* aus Merinowolle
    Das haben wir fast am häufigsten getragen. Die Merinoshirts sind auf der Wanderung unschlagbar! Während andere Shirts und Hosen nach so einer Tageswanderung bestialisch gestunken haben, haben die Merinosachen fast gar nicht gerochen. Ein Traum!
  • 2-3 T-Shirts*, möglichst aus Merinowolle
    Wahrscheinlich reichen auch zwei T-Shirts, wir hatten drei dabei. So konnten wir abends immer in ein frisches schlüpfen. Wem das nicht zu teuer ist, dem würden wir empfehlen, alle aus Merinowolle mitzunehmen.
  • 1 Daunenjacke §
    Für die Höhen benötigt man eine warme Jacke und die Daunenjacken (bzw. Silikonjacken) lassen sich relativ klein packen und halten gut warm. Wir haben die Jacken schon ab 2500 Höhenmetern abends regelmäßig getragen. Wir haben sie in Pokhara gekauft, weil wir sie für die Weiterreise danach nicht mehr benötigen. Wenn man nur für die Wanderung herkommt, ist es sicherlich sinnvoll, die Jacken vorher zu kaufen.
  • 1 Fleecejacke*
    Franzi fand ihre Variante mit Kapuze sehr praktisch, da sie zusätzlich die Ohren schützt. Der Wind in den Höhen war doch oft eisig.
  • 1 Wind-/ Regenjacke*
    Wir hatten Mitte Oktober nur einmal einige Regentropfen und haben daher die Regenfunktion der Jacke nicht benötigt. Eine winddichte Jacke ist bei den Höhenwinden aber sehr zu empfehlen.
  • 2 Buff*
    Wir haben ein dünnes Merino-Buff dabei gehabt, das wir fast täglich anhatten. Es schützt den Hals, kann als Stirnband oder Mütze verwendet werden und wärmt im Schlaf den Kopf. Die wärmere Variante ist unser Schalersatz. Wir finden die Buffs total praktisch, da sie universell einsetzbar sind.
  • Unterwäsche
    Franzi hatte einen normalen und einen Sport-BH dabei. Bei Unterhosen muss jeder schauen, wo seine Komfortgrenze ist. Wir haben am ersten Tag noch die Sachen gewaschen. Weiter oben geht das nicht mehr so gut, da bekommt man sie kaum trocken.
    Wir hatten uns einen Tag vor Abflug noch teure Wandersocken gekauft, sind aber gerade bei den warmen Temperaturen gut mit unseren Falke Laufsocken ausgekommen. Wir hatten insgesamt 5 Paar Socken dabei, damit wir regelmäßig wechseln können und Blasen vermeiden.
    Tipp: Bei einem Akklimatisierungstag in Manang können dort noch einmal Sachen gewaschen werden, es gibt viele Laundry Services.
  • 1 Paar Wanderschuhe
    WICHTIG: Gut eingelaufene Schuhe!!! Wir hatten unsere gut eingelaufenen dabei und sind tatsächlich ohne Blasen davongekommen :) Nagut, Matthias hatte eine Mini-Blase. Auf der Wanderung sind die Schuhe definitiv das Wichtigste! Auch wenn man immer mal wieder liest, man könnte die Wanderung auch in Sneakers machen: Wir würden davon abraten! Der Halt in den Wanderschuhen ist sehr hilfreich, da man viel über Geröll und Steine wandert. Deine Fußmuskeln werden es dir danken!
  • 1 Paar Trailschuhe
    Wir hatten zusätzlich zu den Wanderschuhen noch unsere Trailschuhe dabei. Das ist vermutlich die Luxusvariante. Aber es war echt schön, nach der Wanderung die dicken Botten ausziehen zu können und nachmittags andere Schuhe anzuhaben.
  • 1 Paar FlipFlops
    Sind sehr praktisch für die Duschen, die wir barfuß nur sehr ungern betreten hätten. Und für die ersten Etappen kann man sie gut nach der Wanderung anziehen.
  • 1 Mütze
    Haben wir erst ab 4000 Höhenmetern aufgesetzt.
  • 1 Paar winddichte Handschuhe§
    Die Wollhandschuhe reichen bei dem eisigen Wind leider nicht aus.

Badartikel

  • Zahnbürste & Zahnpasta
  • Deostick, Kamm
  • Shampoo Bar von Lush
    Ist total ergiebig, riecht toll und wiegt nix. Kann man als Shampoo und Duschbad nehmen.
  • Microfaser Handtuch*
    Trocknet superschnell und lässt sich sehr klein packen.
  • Reisewäscheleine
    Haben wir fast jede Nacht in unserem Zimmer aufgebaut, um die feuchten Klamotten zu trocknen. Dann haben wir sie leider irgendwo vergessen :(

Reiseapotheke für den Annapurna Circuit

Zusätzlich zu unserer Weltreiseapotheke hatten wir noch mehr Verbandsmaterial dabei, eine Rettungsdecke (schützt gegen Wärme und Kälte) und eine Trillerpfeife. Unterwegs gibt es in größeren Dörfern auch Apotheken, in denen das Wichtigste verkauft wird.

Wir haben uns gegen das Medikament Diamax entschieden, das bei Symptomen der Höhenkrankheit gerne genommen wird. Wir haben gelesen, dass es die Symptome nur unterdrückt und dann ist es schwer, darauf zu reagieren. Also haben wir Knoblauchsuppe gegessen und Ingwertee getrunken, darauf schwören die Einheimischen.

Um das Trinkwasser während der Wanderung zu säubern, haben wir in Pokhara Chlortabletten (Water Purification Tablets) gekauft. Lieber hätten wir Tropfen genommen, weil die sofort wirken (die Tabletten muss man min. 30 Minuten im Wasser wirken lassen) aber die haben wir leider nicht bekommen. Also vielleicht schon aus Deutschland mitbringen. Ein Freund, den wir auf der Wanderung kenngelernt haben, hatte stattdessen eine Pumpe mit Filter mit und hat immer an Bächen frisches Wasser gepumpt. Auch eine tolle Variante :)

Elektronik

  • Sony Digitalkamera*
    Hat sich in den ersten Tagen schon total bewährt für Fotos und Videos.
  • Go Pro Hero*
    Haben wir kaum genutzt, erst als es uns für die Sony zu staubig wurde. Wir merken, dass wir wenig Übung im Filmen mit der Go Pro haben und sie daher noch nicht so viel nutzen. Hätten wir nicht schon eine, würden wir uns auch eher für die neue Variante mit Bildanzeige entscheiden.
  • 1 Smartphone
    1 Handy reicht völlig aus, um ab und zu ins Internet zu gehen. Man kann auch ganz drauf verzichten, weil es nicht notwendig ist für die Wanderung.
  • GPS-Uhr*
    Die war echt nützlich. Einmal, weil die Wanderungen schon als GPS-Tracks auf der Uhr geladen waren. Aber auch um nachzuvollziehen, wie viel wir so gelaufen sind und auf welcher Höhe wir uns befinden.
  • Kindle
    Haben wir beide gar nicht benutzt.
  • Powerbank*
    Wenige Male haben wir damit unsere Elektronik geladen, weil wir zu faul waren, sie in Gemeinschaftsraum zu laden. Strom gibt es eigentlich überall, in den höher gelegenen Regionen muss man manchmal dafür zahlen.

Sonstiges

  • Sonnenhut §
    Ist ganz schlimm hässlich, hat uns aber vor einem Sonnenstich und Sonnenbrand im Nacken bewahrt. Selbst wenn einem in der Höhe der Wind um die Ohren pfeift, brennt die Sonne ganz ordentlich.
  • Sonnencreme
    Ist unbedingt nötig!
  • Sonnenbrille
  • Schlafsack §
    Einen haben wir für Matthias gekauft und einen für Franzi gemietet. Die Miete sind ca. 100 NPR pro Tag, also unter einem €uro. Und der war echt in Ordnung!
  • Schlafsackinlay* von Cocoon
    Matthias hat seins gar nicht genutzt, hatte ja aber auch einen neuen Schlafsack. Franzi hat ihren jeden Abend ausgerollt.
  • Notizbuch und Stift
    Damit wir nachvollziehen können, was wir erlebt haben.
  • Wasserflaschen §
    Zum Befüllen mit Trinkwasser (entweder an Safe Drinking Water Stations entlang des Treks oder durch Reinigen mit Chlortabletten). So vermeidet man das Kaufen der Plastikflaschen und trägt nicht unnötig zur Verschmutzung bei.
  • Klopapier
    Die Toiletten sind in der Regel Keramikschüsseln im Boden („Hockklos“) und da gibt es kein Toilettenpapier, deswegen welches einpacken. Lässt sich aber problemlos auch unterwegs kaufen.
  • Wanderstöcke §
    Wir waren erst unsicher, ob wir die wirklich gebrauchen könnten. Haben uns unterwegs aber sogar ein zweites Paar gekauft, weil sie sowohl bergauf als auch bergab eine gute Unterstützung sind. Fanden wir praktisch!

Worauf hätten wir verzichten können?

  • Kindle
    Dadurch, dass wir uns mit anderen Wanderern zusammengetan haben, sind wir gar nicht zum Lesen gekommen. Wir haben die Zeit nach der Wanderung oft mit ihnen gemeinsam verbracht.
  • Powerbank
    War zwar nett, damit laden zu können, wäre aber nicht nötig gewesen.
  • 1 Schlafsackinlay
    Matthias hat seins nicht benötigt, da er einen neuen Schlafsack dabei hatte.

Was hat uns gefehlt?

  • Spielkarten
    Für das gemütliche Beisammensitzen abends wären Karten oder irgendein Minispiel echt toll gewesen. Haben wir aber im Laufe der Wanderung kaufen können.

Und weil wir während unserer Vorbereitungen wieder unsere Kamera laufen lassen haben, gibt es dazu wieder ein Video. Viel Spaß damit!

Hat dir diese Packliste geholfen? Haben wir was Wichtiges vergessen? Gefällt dir unser Video? Dann lass uns einen Kommentar da oder einen erhobenen Daumen bei YouTube.

 

Nach dem ganzen Gewusel und Gewimmel in Kathmandu folgte genau der richtige nächste Stopp unserer Weltreise: Pokhara, die zweitgrößte Stadt Nepals. Nach einer 7-stündigen Busfahrt (die viel besser war als erwartet!) erreichten wir den Ort nachmittags und stellten erstmal fest: hier ist ja kaum was los und man sieht fast gar keinen Müll! Und der Eindruck bestätigte sich auch in den darauf folgenden Tagen.

Der touristische Teil Lakeside ist überfüllt mit Trekkingläden, Restaurants und Cafés, die alle auf die Bedürfnisse der Reisenden zugeschnitten sind. Nur die Reisenden waren kaum da. Das könnte noch eine Nachwirkung des Erdbebens im April 2015 sein. Es könnte aber auch daran liegen, dass viele erst nach dem Trekking nach Pokhara kommen und die Saison gerade erst begonnen hat. Sehr empfehlen können wir auch das R&R Guesthouse* mit großen Zimmern zu sehr fairen Preisen.

Nepal Pokhara Blick auf See und Stadt

Entspannung am See

Wir haben uns hier total wohl gefühlt, so umrundet von Bergen, einem See und frischer Luft. Am See selbst sind einige Cafés und Restaurants, die mit ihren gemütlichen Lounge Chairs zum Chillen und Genießen einladen. Und als wir so gemütlich in unseren Stühlen saßen, merkten wir, warum es uns so gut gefiel: es war so schön ruhig :) Kein Gehupe und Brummbrumm von eiligen Motorrädern, herrlich!

Das lag aber auch daran, dass die Nepalesen Dassain feiern. Das ist ein religiöses Fest, das von der Bedeutung her mit unserem Weihnachtsfest vergleichbar ist. Alle fahren zu ihren Familien und verbringen gemeinsam die Tage. Für die Jüngeren gibt es ein tika, eine Segnung von den Familienälteren. Das sieht man ihnen auch an – sie haben dann nämlich eine rote Bemalung auf der Stirn. Ein Gemisch aus roter Farbe, Reis, Zucker und Bananen, damit es auch kleben bleibt ;) Und damit die Familien alle schön zusammen feiern können, waren auch viele der Läden vor Ort geschlossen. Kaum Touristen, viele Läden zu – es war traumhaft ruhig hier! Verhungert sind wir trotzdem nicht, es waren genügend Restaurants offen. Wir haben Thai Curry gegessen, tibetisches Essen probiert und eine Pizza war auch mal dabei.

Ausflug auf den See

Am Nachmittag unseres zweiten Tages in Pokhara haben wir uns ein Ruderboot gemietet und sind ganz romantisch über den See gefahren. Also Matthias hat das Paddel in die Hand genommen und Franzi die Aussicht genossen. Und die war fantastisch! Der See wird von Bergen umzingelt und wenn die Wolken sich verziehen, hat man sogar einen Blick auf die ganz hohen Berge des Himalaya. Als wir so dahintrieben, waren wir einfach zufrieden, in dem Moment auf dem See zu sein und diesen Anblick genießen zu können.

Nepal Pokhara See Boot

Wanderung zur World Peace Pagode

Schließlich stand unsere Testwanderung auf dem Programm. Ja, schon wieder! Wir wollten vor allem überprüfen, ob Franzi mit ihrem geprellten Zeh einigermaßen beschwerdefrei wandern kann. Dazu haben wir uns den Weg zur World Peace Pagode ausgesucht. Das ist ein buddhistischer Tempel, der auf einem Berg oberhalb von Pokhara liegt und von dem man eine fantastische Aussicht auf den See und die Stadt hat. Also haben wir unsere Schuhe geschnürt und sind losmarschiert.. bis wir schon nach kurzer Zeit von einem Nepalesen darauf hingewiesen wurden, dass wir falsch gehen. Kein Problem, kurze Kurskorrektur und weiter gehts!

Während wir so herumirrten, auf der Suche nach dem richtigen Weg, lernten wir zwei nette Holländer kennen und gingen mit ihnen zusammen durch die grünen Wälder hinauf zur Pagode. Es war ein sehr schöner Weg, der meistens im Schatten lag. Bei 30°C und strahlendem Sonnenschein definitiv von Vorteil! Die Pagode durfte man nur ohne Schuhe betreten, so wie alle buddhistischen Tempel. Sie ist eine von insgesamt 80 World Peace Pagoden weltweit und steht (wer hätte das jetzt erwartet) für Weltfrieden und Toleranz.

Nepal Pokhara World Peace Stupa

Nach ausführlichem Bestaunen ging es für uns auf dem gleichen Weg wieder herunter nach Pokhara. Wir hätten auch anders gehen und dann ein Boot über den See nehmen können. Aber da wir inzwischen ja Sparfüchse sind und die romantische Bootsfahrt schon eigenhändig am Tag zuvor erledigt hatten, haben wir uns für die kostenlose Variante entschieden. Nach dem Abstieg merkten wir, dass unsere Füße auf dem Weg ordentlich gefordert worden waren, da der Großteil aus Steinen und Geröll bestand. Die insgesamt 15 Kilometer und 400 Höhenmeter haben wir gut überwunden und sehen damit die Generalprobe für die große Wanderung als gemeistert an! Franzi merkt zwar ihren Fuß beim Wandern, aber wird schon gehen…  im wahrsten Sinne des Wortes ;)

Jetzt wird’s ernst

Unser (vorerst) letzter Tag in Pokhara stand dann ganz im Zeichen der Vorbereitung unserer Trekkingtour. Was da so alles zu erledigen war, wollen wir nach der Wanderung verraten. Noch sind wir dabei, unsere Liste an To Do’s abzuarbeiten und nach dem Trek können wir dann sicher auch besser abwägen, was notwendig und was überflüssig war.

Nepal Pokhara Blick auf Machupuchare

Schon bald werden wir diese Bergspitzen aus nächster Nähe sehen!!! Bisher konnten wir sie immer morgens von unserem Hostel aus bestaunen und im Laufe des Vormittags legten sich dann die Wolken davor. Wir freuen uns unglaublich auf dieses Erlebnis, auch wenn es uns vermutlich an unsere Grenzen bringen wird. Da wir in den nächsten zwei bis drei Wochen in den Bergen sind, werden wir hier nichts von uns hören lassen können. Aber zwischendurch sollen zwei oder drei Örtchen Internet haben, sodass es hoffentlich einen kurzen Pieps bei Facebook oder Instagram von uns geben wird.

Und wer uns vorher noch mal in Action sehen möchte, der kann sich unser Video zu Pokhara ansehen:

 

Stell dir vor, du fliegst auf einer Höhe von 10.000 Metern und siehst auf einmal noch über der Wolkendecke schneebedeckte Gebirgsspitzen… So ging es uns gestern als wir uns im Anflug auf Nepal befanden. Es war ein unbeschreiblicher Moment! Schon kurz danach tauchten wir in das bunte Treiben von Nepals Hauptstadt Kathmandu ein. Wir fuhren auf dem Weg zu unserem Hostel mal auf der linken, mal auf der rechten Straßenseite – der, der hupt, hat Vorfahrt! Vorbeigefahren sind wir an bunt gekleideten Menschen, voll bepackten Leuten, Straßenständen mit gerupften Hühnern und frischen Früchten und so viel mehr, das sich nicht in Worte fassen lässt.

Nepal Kathmandu Thamel Matthias

Es ist eine ganz andere Kultur, die wir hier erleben. Und bei den Einwohnern fällt uns vor allem eines direkt auf – ihre große Freundlichkeit. Begeistert berichten sie uns von ihrem Land, den bevorstehenden Feiertagen und bevor wir dankend ablehnen können, bekommen wir auch schon ein Foto von der geopferten Ziege gezeigt. Welcome to Nepal!

Nepal Kathmandu Thamel Franzi

Gewimmel und Gewusel in Thamel

Unseren ersten Tag in Kathmandu haben wir mit einem ordentlichen Schlafdefizit begonnen und zumindest einige Stunden nach Ankunft wieder aufholen können. Danach ging es dann in die engen Straßen von Thamel – dem Touristenviertel in Kathmandu, in dem auch unser Hostel* liegt. Hier muss man immer auf der Hut sein, nicht aus Versehen vor ein Moped zu laufen oder in Schlaglöcher zu treten. Für uns beide also eine große Herausforderung, die viel Aufmerksamkeit erfordert. Nebenher können wir mit offenen Mündern die Straßen, Läden und Bewohner bestaunen. Es sieht so anders aus! Die Stromkabel hängen lose über der Straße, überall sind nicht fertige Gebäude zu sehen und die Straßen sind nur teilweise geteert, dann kommt wieder Sand und zwischendurch wieder ein Schlagloch ;)

Nepal Kathmandu Bier Matthias

Wir haben uns am ersten Tag im Sum Café gestärkt, etwas abseits vom Trubel. Und weil es uns da so gut gefallen hat, gab es für Matthias schon das erste Bier. Für ganze 11€ haben wir super gegessen und getrunken, ein großes Loch wird Nepal vermutlich nicht in unsere Reisekasse reißen.

Nepal Kathmandu Sum Cafe Essen

An unserem zweiten Tag in Kathmandu haben wir uns aus dem Touristenviertel herausgewagt. Wir wollten gemütlich zum Durbar Square spazieren und waren auf einmal mitten im Gewimmel. Überall hupte es, ständig wurden wir von Fahrrädern und Motorrädern überholt und die Menschen drängten sich durch die engen Straßen. In den Gassen verkauften die Leute frisches Gemüse und Obst, aber auch Tiere (lebendig und nicht). Eine ganz abgefahrene Mischung. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hingucken sollten und waren völlig reizüberflutet.

Nepal Kathmandu Gewusel

Durbar Square

Irgendwann gelangten wir dann zum Durbar Squaredie Sehenswürdigkeit in Kathmandu! Dabei handelt es sich um einen Platz vor dem alten Königspalast, auf dem ganz viele Tempel und Pagoden stehen… obwohl man inzwischen eher sagen muss „standen“. Durch das Erdbeben im April 2015 wurden alle Gebäude beschädigt, viele sind eingestürzt und die noch vorhandenen Tempel und Pagoden werden alle von Holzbrettern und Eisenstangen gestützt. Es muss ganz beeindruckend gewesen sein, was dort alles stand. Umso trauriger ist es, die Überbleibsel zu sehen. Eine Pagode, nach der Kathmandu benannt wurde, stammte aus dem zwölften Jahrhundert und ist nun nicht mehr vorhanden. Uns hat es die Ausmaße des Erdbebens viel bewusster erleben lassen und es hat uns betroffen gemacht, die Schäden zu sehen.

Nepal Kathmandu Durbar Square Tempel

Trotz des für Nepal ziemlich heftigen Eintrittspreises (9€ pro Person) und der großen Schäden fanden wir, dass es sich gelohnt hat, diesen Platz zu besichtigen. Es hilft einem, in die Kultur Nepals einzutauchen und weckt das Interesse an der Geschichte dieses Landes. Die haben wir später noch mal in Ruhe nachgelesen ;)

Nepal Kathmandu Durbar Square Tempel mit Stützen

Das Leben abseits des Touristenviertels

Nach dem Besuch des Durbar Square sind wir durch die angrenzenden Straßen abseits des Trubels spaziert und je weiter wir liefen, desto weniger Menschen drängten sich an uns vorbei. Wir wurden immer freundlich angelächelt und gegrüßt und hatten das Gefühl, dass sich in diese Gassen nicht so häufig Touristen verirren. Es hat uns ermöglicht, das „echte“ Leben der Menschen in Kathmandu beobachten zu können. Die Kinder, die versuchen, ihre selbst gebastelten Drachen steigen zu lassen. Die Männer, die ihr Moped schrubben. Die Frauen, die das Geschirr mit Regenwasser spülen. Die Hunde, die gelangweilt vor den Häusern liegen. Die kleinen, dunklen Küchen, in denen die Einheimischen essen. Es ist ein einfaches Leben, das die Menschen hier führen. Und doch scheinen sie zufrieden damit zu sein, trotz der Schicksalsschläge, die dieses Land und seine Bewohner durchmachen mussten.

Nepal Kathmandu Hund vor Tür

Wir haben auch die unschönen Seiten gesehen, die der Konsum und Tourismus, die Überbevölkerung der Stadt mit sich bringen. Dazu gehört der viele Müll, der hier überall auf den Straßen liegt. Doch der ist nichts gegen die Müllberge, die die Flussufer des Bagmati säumen. Hier stapelt sich der Müll mehrere Meter übereinander und so riecht es auch. Was uns auch aufgefallen ist: das Atmen fällt schwer. So inmitten der Stadt, in der sich Minibusse und Mopeds den Platz auf den unebenen Straßen streitig machen, haben wir ständig das Bedürfnis, tief Luft zu holen. Die Luft ist stickig und  voller Abgase. Das ist ungewohnt für uns und zum ersten Mal können wir nachvollziehen, dass andere Menschen einen Mundschutz tragen.

Nepal Kathmandu Fluss Müll

Wir haben nach den zwei Tagen in Kathmandu Lust, mehr von diesem Land zu sehen. Wir wollen auch die Weiten erleben und mehr über die Einwohner erfahren. Schon in den ersten Tagen hier haben wir die Sauberkeit und den geordneten Verkehr in Deutschland wieder mehr schätzen gelernt. Und andererseits lehren uns die Nepalesen, dass es nicht viel braucht, um zufrieden zu sein.

Und wenn du das Ganze auch noch mal in bewegten Bildern sehen möchtest, dann schau dir unser Video dazu an: