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Mit Jodhpur erreichten wir am 25. November unsere letzte Station in Rajhastan. Auch Jodhpur ist für seine riesige Festung bekannt, die oberhalb der Stadt liegt. Wir hatten von unserer Unterkunft im Namaste Café* einen wunderbaren Blick auf die Festung, die nach Sonnenuntergang angestrahlt wird. Und in den kommenden Tagen sollten wir die Festung aus allen möglichen Blickwinkeln erkunden – auch aus der Luft :)

Clocktower Markt und seine netten Verkäufer

Indien Jodhpur Markt

Die Tage hier verbrachten wir gemütlich, schlenderten viel durch die kleinen Gassen, die überfüllt sind mit Läden. Wir ließen uns treiben und genossen die freien Tage. Wenn wir nicht im oder um das Fort herum unterwegs waren, hielten wir uns meistens bei den Ständen und Märkten um den Uhrenturm auf. Hier findet man zahlreiche Gewürzstände, Gemüse- und Obststände, man kann Saris kaufen oder sich in einem der vielen Klamottengeschäfte Kleidung schneidern lassen.

Hier machten wir die Bekanntschaft von Victor, dem Inhaber des Blue Bohemian Ladens. Nach einer ausführlichen Unterrichtsstunde über verschiedene Stoffe, kauften wir für Matthias eine Ali Baba Hose für ganze 3€. Die Freundlichkeit des Besitzers blieb unverändert, auch wenn wir so gut wie kein Geld bei ihm ließen. Er versorgte uns noch mit Tipps, wo wir die besten Samosas, Lassi und Omelette bekommen und sorgte bei unserem zweiten Besuch dafür, dass Matthias‘ kaputte Hose genäht wird. Klasse! Als er uns dann auch noch einen Geldautomaten verriet, an dem es noch Bargeld gibt und wir dort tatsächlich welches bekamen, war klar: Victor müssen wir als Beispiel für die Freundlichkeit der Inder auf jeden Fall auf unserem Blog erwähnen! Haben wir nun getan ;)

Indien Jodhpur Gewürze

Fliegen über die Burggräben

Auf einem anderen Reiseblog hatten wir gelesen, dass man in Jodhpur über die Festung hinwegfliegen kann. Das hörte sich nicht nur spannend, sondern auch total spaßig an und wir erkundigten uns auf der Website von Flying Fox, dem Anbieter dieses Abenteuers. An sechs Ziplines (Seilrutschen) schwebt man über Burggräben und -seen, hat einen fantastischen Blick auf Festung und Stadt und fühlt sich schwerelos. Die Aktion war schon so gut wie gebucht :)

Dabei war die Buchung nicht so leicht wie erhofft. Im Internet kann man den Spaß mit einem Rabatt buchen, benötigt aber leider eine indische Kreditkarte. Weil wir die nicht bieten konnten, sind wir also zum Anbieter selbst gelaufen. Der hat seinen Hauptsitz in den Festungsmauern. Man kann ohne Zahlen des Eintrittspreises dorthin gehen und die Tickets buchen. Als wir hier waren, war es kein Problem sofort loszulegen. Und was uns bei den immer noch andauernden Bargeldproblemen sehr gelegen kam: man kann den stolzen Preis von 1900 Rupie pro Person (26€) mit Kreditkarte zahlen.

Wir bekamen die Sicherheitsgurte angeschnallt und durften an einer Übungszipline das richtige Sitzen, Fliegen und Abbremsen üben. Und dann ging es auch schon zur ersten der insgesamt sechs Seile. Franzi hing als erste unserer fünfköpfigen Truppe am Seil und schwups – da flog sie schon durch die Lüfte. Es machte total viel Spaß! Wir hätten noch stundenlang durch die Gegend sausen können! So haben wir ungefähr eine Stunde mit dem Fliegen um die Burg herum verbracht und immer neue Perspektiven auf Stadt, Burgmauer und Festung bekommen.

Indien Jodhpur Zipline

Trotz des ziemlich hohen Preises steht für uns fest: sollte man gemacht haben! Die Aussicht war super, die Guides sehr nett und das Schweben am Seil ist der Knaller! :)

Merangarh Festung

Nach dem Anblick aus der Luft und von der Dachterrasse unserer Unterkunft stand schließlich auch die Begehung der Festung an. Mühsam kletterten wir den Weg zur Festung hinauf- 100 Höhenmeter werden auf einer steil ansteigenden Straße von der Stadt aus erklommen. Wo war nur unsere Wanderfitness aus Nepal hin?!

Indien Jodhpur Merangarh Fort Blick

Nachdem wir durch einen Security Check gegangen waren, kauften wir unsere Tickets. Für 600 Rupie (knapp 9€) hat man Zutritt zur Festung und dem darin liegenden Museum und bekommt einen Audio Guide dazu. Den fanden wir echt gut! So bekamen wir interessante Hintergrundinformationen zur Burg, zum damaligen Leben und der Bedeutung der Festung.

Ein paar Fakten zur Festung

Hier nur das Wichtigste zusammengefasst: Die Festung wurde 1459 erbaut und konnte in den über 500 Jahren, die sie nun über der Stadt thront, nie von Angreifern eingenommen werden. Wandert man an den Burgmauern entlang, erkennt man schnell, wie frustrierend so ein Angriff gewesen sein muss. Die Mauern sind riesig, dick und die Spuren, die Kanonenkugeln da hinterlassen haben, sehen eher aus wie Fingerabdrücke.

Indien Jodhpur Fort Audioguide

Im Museum konnten wir Sänften zum Tragen der Maharadschas und dessen zahlreicher Frauen bestaunen, Miniaturbilder und für Matthias interessant: damalige Waffen. Besonders beeindruckend fanden wir das Schlafgemach und den Blumenpalast. Durch die Verzierungen und Fensterbilder wirkten sie wie aus einer anderen Welt. Heute wird die Festung nicht mehr bewohnt, der aktuelle Maharadscha wurde 1954 im Alter von 4 Jahren zwar noch dort gekrönt, lebt aber in einem Palast am anderen Ende der Stadt.

Indien Jodhpur Fort Franzi

Wenn ihr noch mehr witzige Fakten erfahren wollt, mit uns durch die Lüfte fliegen oder die blauen Häuser der Stadt anschauen möchtet, dann schaut doch in unser Video zu Jodhpur rein!

Wir haben die Tage in Jodhpur als sehr entspannt empfunden, da wir viel Zeit zum Erkunden der Festung hatten und in unserer wirklich tollen Unterkunft* auch mal entspannt Reiseziele recherchieren konnten, mit unseren Familien gesprochen haben und die nächsten Ziele weiterplanen konnten. Somit hat Rajhastan nach dem unbequemen Start in Jaipur noch alles rausgeholt durch Jaisalmer und Jodhpur!

Nach unserer holprigen Anreise aus Jaipur erreichten wir morgens den Busbahnhof in Jaisalmer. Unsere netten Gastgeber vom Hotel Fotyia* holten uns mit dem Jeep ab und schon wenig später fanden wir uns auf einer gemütlichen Dachterrasse mit Blick auf das Fort von Jaisalmer wieder. Die Stadt liegt am Rande der Thar Wüste und ist umgeben von sandigem Buschland – eine Landschaft wie aus 1001 Nacht! Wir fühlten uns direkt wohl und freuten uns darauf, wieder mehr Weiten und Natur erleben zu können.

Das Fort in Jaisalmer

Die Hauptattraktion in Jaisalmer ist das riesige Fort, das aus Sandstein erbaut wurde und eine der wenigen Festungen ist, die auch heute noch bewohnt ist! Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass man (endlich mal) keinen Eintritt zahlen muss, jippieh! Also haben wir uns schon an unserem ersten Tag auf den Weg durch die zahlreichen, vollgestopften Gassen gemacht um das Fort zu besichtigen. Schon von Weitem kann man sehen wie es über der Stadt auf einem Hügel thront. Von Nahem wird einem das Ausmaß dieser Festung aber erst so richtig klar. Wir haben uns zunächst durch die vielen kleinen Straßen treiben lassen und alles aufgesogen, was uns dort begegnet ist. Seien es die zahlreichen Kühe auf den Wegen, die vielen Händler, die uns Klamotten, Teppiche oder Schmuck verkaufen wollten oder eben auch die Bewohner, die wir durch die Hauseingänge beobachten konnten.

Indien Jaisalmer Fort

Das Leben spielt sich in den sandsteinfarbenen Häusern ab, die oftmals reich verziert sind und uns immer wieder zum Staunen brachten. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollten! Letztendlich ist das Fort aber auch sehr touristisch – jedes zweite Haus beinhaltet ein Restaurant oder Guesthouse und überall werden Souvenirs vertickt. Wir haben uns gefragt, wer den ganzen Kram wohl kaufen soll, denn so viele Touristen waren gar nicht unterwegs.

Sonnenuntergang mit Blick auf das Fort

Um abends den Sonnenuntergang und die wechselnden Lichtverhältnisse zu beobachten, kletterten wir auf einen kleinen Aussichtspunkt unweit von unserem Hotel. Die Kinder und Jugendlichen zeigten uns eine Abkürzung, sodass wir plötzlich in FlipFlops einen steilen Geröllberg hinaufstiegen. Der Ausblick dort oben war klasse und wir genossen die ruhigen Abendstunden sehr! Für den Abstieg wählten wir die sichere Variante und nahmen dieses Mal die Treppen.

Indien Jaisalmer Fort Sonnenuntergang

Jain Tempel

Innerhalb der Festung befinden sich sieben Jain Tempel, die man für einen Eintritt von 200 Rupie pro Person alle besichtigen kann. Wir fanden den Preis in Ordnung und haben die reich verzierten Tempel alle besichtigt. Allerdings sind wir nur auf vier gekommen… da waren wohl mehrere Tempel in einem oder so ;) Jainismus ist eine Religion, die ungefähr zur Zeit des Buddhismus auch als Gegenbewegung zum Hinduismus entstand. Heutzutage gibt es ca. 4 Millionen Anhänger, die überwiegend in Indien leben. Die Vorgaben der Jain sind sehr strikt, so wird Besitztum als überflüssig angesehen und keinem Lebewesen darf Leid zugefügt werden (die Anhänger sind dementsprechend Vegetarier und dürfen auch kein Leder tragen).

Indien Jaisalmer Jain Tempel

Havelis

In und um das Fort herum stehen alte, wunderschöne Havelis. Das sind Wohnhäuser von reichen Handelsmännern, die oft mehr an einen Palast erinnern als an ein Wohnhaus. In Rajhastan gehören sie zu den Wahrzeichen der Region und sind während der Blütezeit des Fernhandels im 18. und 19. Jahrhundert entstanden. Wir haben sie sehr gerne bestaunt und waren ganz hingerissen!

Kamelsafari

Einer der Hauptgründe für uns, nach Jaisalmer zu fahren, war die Nähe zur Wüste und damit die Möglichkeit einer Kamelsafari. Unser Hotelbesitzer machte uns ein gutes Angebot (1300 Rupie p.P./ ca. 17€) und so machten wir uns an unserem dritten Tag in Jaisalmer nachmittags auf den Weg in die Thar Wüste. Die ersten 40 Kilometer legten wir noch im Jeep zurück, danach sattelten wir um auf Kamele.

Rennkamel für Franzi

Wir hatten Glück, dass andere Reisende kurzfristig noch abgesprungen waren, denn so hatten wir die Wüste und unseren Guide Dilian für uns alleine :) Bevor wir Fragen stellen konnten, wurden wir auf die beiden Kamele aufgeteilt, Franzi wurde die Leine ihres in die Hand gedrückt und dann setzte sich unsere kleine Karawane auch schon in Bewegung. Matthias saß auf dem 5-jährigen Rocket, der brav an der Leine unseres Kameltreibers lief, Franzi ritt auf Number One vorneweg. Mit einem Ohr konnte sie hören, wie unser Guide erzählte, dass Number One ein Rennkamel sei, während dieses immer mehr Abstand zwischen sich und den Rest der Truppe legte. Als der Abstand immer größer wurde und das Rennkamel keine Anstalten machte, einen Gang runterzuschalten, wurde Franzi langsam unruhig. Wie genau konnte man denn hier bitte bremsen? Ziehen an der Leine – was unser Kameltreiber von hinten rief – führte dazu, dass Franzi den Kamelhals fast im Gesicht hatte, aber nicht zur Geschwindigkeitsreduktion. Als Number One zum Fressen an einem der Büsche stehen blieb, konnten Matthias und sein Kamel aufschließen und nun lief unsere Truppe gemeinsam weiter.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Franzi

So schaukelten wir glücklich hinein in die Thar Wüste. Um uns herum sahen wir viele Büsche, ritten über Sanddünen und an einem kleinen Dorf vorbei. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir an einer Sanddüne an, bei dir wir übernachten sollten. Also ging es runter von den Kamelen und zu Fuß rein in die Sanddünen. Es war keine andere Menschenseele zu sehen und wir genossen es sehr, diese Weite und Abgeschiedenheit auf uns wirken zu lassen!

Kamelreiten wie die Profis

Unser Guide hatte in der Zwischenzeit einen leckeren Chai-Tee für uns gekocht. Wir versuchten uns danach darin, die Kamele wieder zusammenzutreiben, scheiterten aber kläglich. So musste Dilian eingreifen. Er bot uns auch an, mal ohne Sattel ein Kamel zu reiten und Matthias probierte es aus. Franzi konnte sich kaum halten vor Lachen, weil man nämlich hinter dem Höcker sitzt und sich daran festhalten muss. Als wir die Bilder nach der Safari noch mal durchgesehen haben, sind Tränen gekullert… vor Lachen! :D

Indien Jaisalmer Kamelsafari Reiten ohne Sattel

In dieser schönen Kulisse sahen wir uns den Sonnenuntergang an und erlebten fasziniert das Farbenspiel auf den Sanddünen. Dilian kochte ein leckeres Curry und stellte sogar Chapati her – inklusive Teig machen, rollen und backen. Und das alles über offenem Feuer! Nachdem die Sonne untergegangen war, fielen auch die Temperaturen ziemlich deutlich und wir waren sehr froh, unsere Fleecejacken und Franzis Leggings eingepackt zu haben.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Betten

Sternenhimmel in der Wüste

Unser Nachtlager bestand aus einer einfachen Pritsche mit ein paar Decken drauf. Wir lagen erst einmal eine ganze Weile da und bestaunten das Schauspiel über uns. Die Millionen Sterne! Wir konnten die Milchstraße sehen und Sternschnuppen beobachten. Und auch wenn der Schlaf in dieser Nacht nicht der beste war, so erfreuten wir uns bei jedem Aufwachen wieder über diesen sensationellen Ausblick, der sich mit jedem Aufwachen wieder ein bisschen veränderte!

Indien Jaisalmer Kamelsafari Sternenhimmel

Am nächsten Morgen sahen wir die Sonne aufgehen und wärmten uns am Feuer mit einem frischen Chai-Tee. Nach einem kurzen Frühstück wurden die Kamele gesattelt und es ging wieder zurück. Heute tauschten wir und Matthias bekam das Rennkamel. Zu seiner Enttäuschung ist das morgens aber nicht so lauffreudig und benötigte einiges an Aufforderung, um seinen Hintern vorwärts zu bewegen. Nach einer Weile verfielen wir von dem gemächlichen Trott in einen leichten Trab, war das schaukelig! Kamelreiten ist schon so eine wippende Bewegung, die beim Traben durch Schütteln ergänzt wird. Wir haben uns schlapp gelacht.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Matthias

Diese Kamelsafari rundete unseren Aufenthalt in Jaisalmer wunderbar ab! Wir haben die Ruhe und vor allem Stille sehr genossen. Nach dem Dauergehupe in Jaipur haben die Tage richtig gut getan und wir sind wieder bereit für ein bisschen mehr Stadtleben :)

Willst du mit in die Wüste schaukeln? Wir nehmen dich mit! Ab in den Sattel und Play drücken ;)