12. März 2021

Corona in Tansania: Ein Erfahrungsbericht

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Einige der häufigsten Fragen, die wir in den letzten Wochen gestellt bekommen haben, war: Wie ist denn die Lage in Tansania? Welche Maßnahmen werden aufgrund der Pandemie ergriffen? Wie fühlt ihr euch im Land? 

In unseren fast drei Monaten vor Ort (Dezember 2020 bis Februar 2021) haben wir mit vielen Einheimischen, Zugezogenen und anderen Reisenden gesprochen. Die Pandemie, weltweite Maßnahmen dagegen und ihre Auswirkungen aufs Reisen war oft das Gesprächsthema Nummer 1. 

Wir wollen dir hier unsere persönlichen Erfahrungen schildern, wie wir die Lage in Tansania erlebt haben und was uns von den Menschen erzählt wurde, die vor Ort leben. Dieser Bericht basiert auf unserer Wahrnehmung und den Erlebnissen der Einheimischen.

Für offizielle Angaben solltest du immer auf der Seite des Auswärtigen Amts nachlesen. Dort findest du Hinweise zur Einreise und den Bestimmungen vor Ort. 

Offizielles Statement der Regierung zur Pandemie

Kurz nach Beginn des Ausbruchs von Covid befand sich Tansania im März und April letzten Jahres in einem strikten Lockdown. Im Mai rückte der tansanische Präsident John Magufuli ins weltweite Rampenlicht, als er die Corona-Tests als fragwürdig darstellte

Eine Papaya, eine Ziege und Corona-Tests

Man habe einer Papaya und einer Ziege Laborproben entnommen und diese anonym auf Covid testen lassen. Die positiven Resultate bestätigten ihn in seiner Meinung, dass die Tests fehlerhaft und damit nicht glaubwürdig seien. Kurz darauf wurden Tests eingestellt. Seit Ende April 2020 gibt es keine offiziellen Daten mehr zur Verbreitung des Virus in Tansania.  

Im Mai 2020 forderte Magufuli die Tansanier auf, einige Tage zu beten und zu fasten. Im Anschluss erklärte er, dass die Maßnahmen erfolgreich gewesen seien. Seit Juni 2020 sei Tansania geheilt von Corona

Pressekonferenzen im Februar

Zuletzt gab es immer mehr Hinweise darauf, dass Tansania keinesfalls Corona-frei ist und das Virus sich auch in Tansania schnell verbreitet. In einer Pressekonferenz Anfang Februar 2021 bestätigte Magufuli erstmals, dass es wieder Infizierte im Land gebe. Seine Erklärung war jedoch abenteuerlich: Das hätten Einheimische eingeschleppt, die sich im Ausland impfen lassen wollten. 

Ende Februar sah sich der Präsident aufgrund von internationalem Druck der WHO und der amerikanischen Botschaft gezwungen, Maßnahmen anzukündigen. Er empfahl seinen Landsleuten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Masken zu tragen. In Dar Es Salaam müssen seit dem 23. Februar Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden. 

Ein schwer erkrankter Präsident?

Ganz aktuell gibt es Berichte, die von einer schweren Corona-Erkrankung des Präsidenten ausgehen. Magufuli sei im März noch nicht öffentlich aufgetreten und werde außerhalb des Landes wegen einer schweren Infektion behandelt. 

Wie ist die Lage vor Ort?

Als wir Mitte Dezember 2020 auf Sansibar ankamen, gab es keinerlei Anzeichen einer Pandemie oder irgendwelcher Gegenmaßnahmen. Masken wurden belächelt und viele Einheimische versicherten uns, es gebe in Tansania kein Corona. 

Der Alltag der Tansanier hatte sich in den letzten Monaten nicht verändert, nur die Touristen waren ausgeblieben. Wir sprachen mit mehreren Einheimischen über die Situation. Von allen hörten wir, dass sie niemanden kennen, der erkrankt sei und auch nicht mitbekommen hätten, dass es häufiger Beerdigungen gebe. Die Krankenhäuser seien nicht voll und das Leben gehe seinen normalen Gang. 

Dar Es Salam Fähre

Volle Fähre in Dar Es Salaam

Einzig die Auswirkungen auf die Tourismusindustrie seien fatal. Seit März 2020 seien fast gar keine Touristen gekommen. Große Resorts auf Sansibar hatten geschlossen als wir im Dezember auf der Insel waren. Kleine Gasthäuser hingegen waren insbesondere über Weihnachten gut ausgebucht. 

Eine persönliche Geschichte: Daudie (28 Jahre), Safari-Guide 

In Arusha und auf unserer fünftägigen Safari lernten wir Daudie kennen. Ein junger Mann, der in der Nähe des Lake Victoria aufgewachsen war. Nach einer Ausbildung zum Guide, einem Jahr Deutschunterricht und mehreren Monaten Praktikum in der Serengeti fand er Ende 2019 einen tollen Job. 

Bei einem großen Safari-Anbieter in Arusha wurde er als Guide angestellt. Sein Job beinhaltete Krankengeld, Urlaubsgeld und Urlaubstage. Ein Glückstreffer! In der Hochsaison war er fast ununterbrochen in den Nationalparks im Norden von Tansania unterwegs. Dann kam Corona. 

Die Touristen blieben aus und sein Arbeitgeber kündigte ihm. Ein Jahr lang konnte er nicht arbeiten. Es gab keine anderen Jobs. Denn auch seine Kollegen, Safariköche oder Hotelpersonal war plötzlich auf der Suche nach alternativer Arbeit. 

Im Februar 2021 ist Daudie mit uns nach einem Jahr das erste Mal wieder auf Safari gefahren. Sein Onkel und dessen Frau bieten private Safaris an und hatten ihm im letzten Jahr viel unter die Arme gegriffen. Er wohnt bei ihnen und hilft ihnen im Haushalt. Jetzt durfte er endlich wieder arbeiten. 

Daudie hofft darauf, dass er im Juni wieder bei seinem Arbeitgeber angestellt wird. Dass dann wieder mehr Touristen nach Tansania kommen und er seinem tollen Job nachgehen kann. 

Veränderungen in den letzten Wochen

Seit Februar hat sich die Situation in Tansania verändert. Uns fielen vor allem die Wassereimer und Seifenspender vor den Geschäften auf. Noch immer ist das Händewaschen freiwillig, aber es gibt jetzt häufiger die Möglichkeit dazu. 

Im Stadtbild sind vereinzelt Menschen zu sehen, die eine Maske tragen. Offizielle tragen Masken und auch im Supermarkt hat das Personal den Mund-Nasen-Schutz auf. Das Social Distancing wird noch immer kaum betrieben. 

Stone Town Markt

Volle Märkte in Tansania

In (ausländischen) Medien wird von häufigeren Beerdigungen in Dar Es Salaam gesprochen. Es gibt noch immer keine Tests, sodass die Anzeichen auf mehr Infektionen eher indirekt sind. Der größte Sauerstofflieferant hat Engpässe. Immer mehr Leute kennen Bekannte, die eine Erkrankung hinter sich haben. Es treten mehr Todesfälle durch Pneumonien auf, der inoffiziellen Diagnose bei Covid-Symptomen in Tansania. 

Risikogruppen in Tansania

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Tansania sind 64 Jahre. Nur 3% der tansanischen Bevölkerung sind älter als 65 Jahre, 45% der Bevölkerung sind 15 Jahre und jünger. Ein Großteil der Tansanier ist damit aufgrund des Alters weniger anfällig für einen schwerwiegenden Verlauf einer Corona-Erkrankung. 

Das Leben der Tansanier findet überwiegend draußen statt. Die wenigsten arbeiten in Bürojobs und Home Office kennt hier kaum jemand. Das Risiko sich anzustecken, ist damit geringer als in geschlossenen Räumen im europäischen Winter. 

Diese Argumente waren für uns gut nachvollziehbar und schienen eine Erklärung zu sein, weshalb Tansania vielleicht tatsächlich weniger betroffen ist von Corona. 

Einen Lockdown können wir uns nicht leisten

Für uns Europäer ist es oft schwer vorstellbar, wie der Alltag von einem Großteil der Tansanier aussieht. Während wir uns Sorgen um unsere Rente oder Investitionsmöglichkeiten machen, leben die Menschen in Tansania oft von einem Tag zum nächsten. Das Ziel: genügend Geld verdienen, um sich oder seine Familie zu ernähren. 

Der durchschnittliche Verdienst liegt in Tansania bei 100$. Pro Monat! Ein Lockdown wäre für viele gleichzusetzen mit dem Verhungern. Dazu ein Zitat unseres Gastgebers in Moshi: 

„Rich people care about their future and their health. Poor people care about today.“

Für die Menschen in Tansania ist es oft eine ganz pragmatische Abwägung: Wie hoch ist das Risiko zu verhungern? Und wie hoch ist das Risiko, an einer Corona-Infektion zu sterben? So unvorstellbar es scheint, Option 1 ist die deutlich wahrscheinlichere!

Danke Tansania, für eine großartige Zeit!

Wir haben uns in den letzten drei Monaten sehr wohl gefühlt in Tansania. Wir wurden überall mit offenen Armen und irre viel Freundlichkeit empfangen. Die Tansanier formulierten häufig ihre Dankbarkeit, dass Touristen ins Land reisen. 

Für uns war es schön, eine Art Normalität erleben zu dürfen. Manchmal erschien es uns wie eine Parallelwelt. In den Nachrichten lasen wir von Lockdown und immer härteren Maßnahmen im Rest der Welt und im Alltag konnten wir in Restaurants essen gehen und das Land bereisen. 

Wir sind dankbar für die tollen Erfahrungen, die wir in Tansania machen durften. Gleichzeitig wünschen wir den Tansaniern, dass sie einen guten Umgang mit der sich verändernden Situation finden. 

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