Minimalismus nur 23 Umzugskartons

Schon seit Jahren leeren wir – bedingt durch akuten Platzmangel – regelmäßig unsere Schränke, Regale, den Platz unterm Bett und all die anderen Lager für überflüssige Dinge. Mit der großen Reise vor Augen und der Frage, wo wir den sich trotzdem immer wieder ansammelnden Kram bloß unterkriegen sollen, bekam das Thema Entrümpeln daher noch einmal einen großen Stellenwert in unserer Reisevorbereitung.

Vor allem, nachdem wir die Entscheidung getroffen hatten, nur mit einem Handgepäckrucksack zu reisen. Da passt ja quasi nix rein. Als wir dann noch unsere Wohnung kündigten, nahmen wir uns ganz fest vor: wir behalten nur das Notwendigste und Wichtigste, der Rest kommt weg! Also stellten wir uns immer und immer wieder die Frage: „Brauchen wir xy eigentlich noch?“ Und je näher der Umzug rückte, umso häufiger beantworteten wir uns die Frage mit: „Nö.“ Nur, was machen mit den ganzen überflüssigen Dingen?

Verkaufen von überflüssigen Dingen

Das war erst mal immer Plan A. Fast alle unserer aussortierten Dinge waren noch funktionstüchtig und daher zum Wegwerfen viel zu schade. Und da wir gut noch etwas Geld gebrauchen konnten, versuchten wir als erstes, unseren Krempel noch zu verkaufen. Dazu führten wir zunächst eine Internetrecherche durch, um zu schauen ob ähnlicher Krempel noch Geld gebracht hat. Und oft waren wir wirklich überrascht, wofür Leute Geld bezahlen! Vor allem Elektronik wird selbst in beschädigtem Zustand noch gern gekauft. Im Folgenden geben wir dir eine Übersicht über die Plattformen, die wir zum Verkauf genutzt haben und was da gut wegging.

Minimalismus Bücherverkauf

eBay: Unsere Tipps für einen erfolgreichen Verkauf

3,2,1… deins! So ging es uns innerhalb der letzten vier Monate häufig. Was haben wir uns gefreut, wenn wir wieder etwas verkauft hatten! Dahinter steckte aber auch eine ganze Menge Arbeit. Zunächst haben wir in der Suchfunktion bei eBay unseren Artikel eingegeben und dann in den Optionen eine Häkchen bei „verkaufte Artikel anzeigen“ gesetzt. Das ist der Trick schlechthin, weil man dann angezeigt bekommt, wieviel Leute in vorherigen Auktionen schon mal für diesen oder einen ähnlichen Artikel bezahlt haben. Das hilft ungemein dabei, einen angemessenen Preis festzusetzen.

Sofortkauf vs. Auktion

Am häufigsten haben wir Artikel zum Sofortkauf angeboten und die Angebote über 4 Wochen eingestellt. Manches wurde dann innerhalb weniger Stunden schon gekauft (z.B. Bluray Big Bang Theory), andere Angebote mussten wir nach einigen Wochen erneut einstellen. ABER: Fast alles wurde irgendwann gekauft! Man braucht da einfach Geduld. Und im Zweifel zieht die Reduktion des Preises immer ;)

Wenige Male haben wir auch Auktionen gestartet, die dann immer über 7 Tage laufen. Dabei ging ein DVD-Set mit 12 DVDs mal für ganze 3€ weg. Die abgefahrenste Auktion erlebten wir bei Matthias Ironmanmedaille, die für über 200€ gekauft wurde. Zweihundert Euro!!! Wir konnten es kaum glauben und waren froh, dass wir sie nicht für 20€ zum Sofortkauf angeboten hatten :D Beachten solltest du immer das Startdatum deiner Auktion. Am besten stellst du dein Angebot Sonntagnachmittag oder -abend rein, dann endet es auch zu dieser Zeit. Da haben auf jeden Fall mehr Leute Zeit zum Bieten als an einem Mittwochvormittag.

Dinge, die wir gut über eBay losgeworden sind, waren vor allem Kleinelektronik (sowas wie alte Handys, Kabel, iPod, Headset, Festplatten, DVDs und Blurays), Taschen (Fossil Handtasche, Rucksack, Reisetasche) aber auch größere Sachen wie einen Plattenspieler und eine Spiegelreflexkamera. Generell gilt: alles, was man einigermaßen gut verschicken kann, sollte man zuerst mal versuchen, bei eBay zu verkaufen.

eBay Provision

Zu beachten dabei: eBay nimmt inzwischen 10% Provision des Verkaufspreises – früher haben sie die Provision auf den Startpreis einer Auktion genommen, das ist inzwischen leider vorbei. Und selbst vom angegebenen Porto steckt sich eBay 10% Provision in die Tasche, hier kannst du also kaum mehr rausholen. Die Bezahlung läuft fast nur über PayPal. Das ist total praktisch, weil das Geld nach dem Verkauf direkt da ist und du den Kram losschicken kannst. Allerdings möchte auch PayPal seinen Anteil am Verkauf haben und behält 3% des Verkaufspreises.

eBay Kleinanzeigen: Unsere Tipps für einen erfolgreichen Verkauf

Für Möbel und größere Elektronik bietet sich eBay Kleinanzeigen als Verkaufsplattform an. Vorteil dabei ist ganz klar, dass du keine Provision an eBay abdrücken musst und das Geld bar in die Hand gedrückt bekommst. Andererseits werden oft Nachfragen zu den Angeboten gestellt, sodass du nach dem Einstellen der Sachen etwas mehr Arbeit damit hast. Hat man sich auf einen Preis geeinigt, müssen die Käufer nur noch vorbeikommen, um sich das Gekaufte abzuholen und zu bezahlen. Aber auch da kann es gut passieren, dass dann auf einmal doch niemand kommt, jemand sich das kurzfristig anders überlegt oder erneut über den Preis verhandeln will. Der Verkauf über eBay Kleinanzeigen ist also nicht immer so sicher und einfach abzuwickeln.

Wir sind darüber dennoch einiges losgeworden, zum Beispiel Kleinmöbel (Sessel, Schreibtischregal), Spiele, Sportartikel (Radtrainer, Hanteln), größere Elektronik, die sich nicht gut verschicken lässt (alter Desktop-PC, Boxen, Matthias E-Piano). Sogar Kleiderbügel, Franzis Abikleid und ein kleiner Koffer wurden gekauft. Es lohnt sich hier definitiv, einfach mal eine Anzeige zu schalten. Das ist sehr unkompliziert und geht schnell.

Momox und rebuy: CDs und Bücher verkaufen

Über diese beiden Plattformen haben wir hauptsächlich gebrauchte Bücher, CDs, DVDs und Blurays verkauft. Dabei lohnt es sich manchmal, zu vergleichen, wieviel ein Medium bei rebuy und wieviel es bei Momox bringt, da sich der Gewinn teilweise sehr unterscheidet. Beide Websites bieten eine kostenlose App an, mit deren Hilfe man die Barcodes auf den Medien scannen kann und sich das Eintippen und Suchen des genauen Mediums schenkt. Das ist wirklich praktisch! Verschicken kannst du das Ganze kostenlos, sofern du einen Verkaufsbetrag von 10€ erreichst. Du wirst dann über den Eingang der Ware informiert und sobald alles geprüft ist, kannst du dir das Geld auf dein Konto auszahlen lassen.

So konnten wir viele Medien auf einen Schlag verkaufen und mussten nicht jede(s) Buch/DVD/Bluray einzeln verschicken. Gerade für Fachbücher bekommt man teilweise noch einiges und auch aktuellere Romane oder Sachbücher können manchmal noch 3-5€ einbringen. Bei uns hat es vor allem die Menge gemacht! Wir haben viele Pakete hingeschickt und besitzen aktuell noch genau 2 Blurays.

Über Momox kannst du auch gebrauchte Kleidung verkaufen. Natürlich zieht hier hauptsächlich Markenware und die Kleidung sollte noch in gutem Zustand sein. Wir haben das auch einmal gemacht, allerdings hat sich das kaum gelohnt. Für unser riesiges Paket mit zahlreichen Klamotten haben wir nachher nicht mal 20€ bekommen. Und da waren ein gutes Jackett, gute Schuhe und viele noch sehr gut erhaltene andere Sachen drin. Das würden wir nicht noch mal machen.

Freunde und Bekannte

Wir hatten in den letzten Monaten immer wieder Freunde zu Besuch und haben mit denen natürlich auch über unsere bevorstehende Weltreise gesprochen. In dem Zuge haben wir auch davon erzählt, dass wir vieles noch verkaufen wollen und konnten die eine oder den anderen noch ausstatten mit Büchern, Spielen, Schallplatten, Drucker oder auch einer Gasflasche für den Grill. Wir haben auch bei unseren Nachbarn angefragt und in einer Facebookgruppe unserer Nachbarschaft einen Beitrag gepostet, in dem wir die zu verkaufenden Sachen aufgelistet haben. Auch darauf haben sich noch einmal einige gemeldet und wir konnten wieder etwas von unserem Hab und Gut auf andere verteilen.

Da wir über vier Monate regelmäßig unsere Sachen online zum Verkauf angeboten haben, vieles ersteigert worden ist und wir kontinuierlich dran geblieben sind, konnten wir noch einiges an Geld einnehmen. Das führte allerdings auch dazu, dass unser  Wohnzimmer zeitweise mehr nach Poststelle als nach Wohnen und Gemütlichkeit aussah!

Minimalismus Post verschicken

Flohmarkt

Als wir final für den Auszug aus unserer Wohnung gepackt haben, sind doch noch wieder Dinge angefallen, die wir vorher übersehen hatten oder für die wir einfach nicht die Zeit gefunden haben, sie zu verkaufen. Diese Sachen sind dann in einer „Flohmarkt“-Kiste gelandet. Diese Kiste hat bisher noch keinen Flohmarkt gesehen ;)  Wir haben es einfach zeitlich nicht mehr geschafft vor Abflug, da wir die Priorität irgendwann auf wichtigere Reisevorbereitungen legen mussten. Allerdings würden wir das nächste Mal vermutlich eher mal einen Flohmarkt ausprobieren. Es macht bestimmt Spaß und man muss nicht so viele Pakete verschicken oder Termine mit Käufern machen wie über die beiden eBay Plattformen. Habt ihr Erfahrungen damit, ob sich ein Flohmarktstand gegenüber eBay und anderen Plattformen lohnt?

Verschenken

Natürlich mussten auch unsere Kleiderschränke entrümpelt werden, da wir in unserem Handgepäck ja nicht mal ein Zehntel des Inhalts mitnehmen können. Hier haben wir gelernt: Für gebrauchte Kleidung bekommst du nix mehr. Oder zumindest nicht übers Internet. Vielleicht auch nicht allzu verwunderlich, wir haben bisher auch noch nie über eBay T-Shirts, Hemden oder Kleider gekauft. Letztlich haben wir noch eine Kiste mit gebrauchten Klamotten an Momox geschickt, aber auch nur, um wieder einen Haufen loszuwerden. Aber wir haben auch Möbel und Geschirr verschenkt, das hauptsächlich über eBay Kleinanzeigen. Eine weitere gute Möglichkeit ist natürlich auch das Verschenken an Freunde oder Nachbarn.

Digitalisieren & Komprimieren

Nun bezieht sich Minimalismus aber nicht nur auf das Entrümpeln von Klamotten und Elektronik. Wir verstehen darunter auch die Reduktion von Ordnern, Papieren und Nippes. Bei vielen Unterlagen haben wir uns gefragt: Brauchen wir die Originale in Papierform oder können wir das Einscannen und digital speichern? Wie viel Deko muss sein? (Da waren wir uns nicht immer so ganz einig..) Aber auch Mitgliedschaften wie Amazon Prime, Spotify oder die BahnCard wurden auf ihre Notwendigkeit überprüft – und dann oft gekündigt.

Wegwerfen

Und wenn vorher alles nicht geklappt hat, dann mussten die Sachen eben doch in den Müll wandern. Das geschah zum Beispiel mit durchgelatschten Schuhen, die man wirklich keinem mehr unter die Nase halten wollte oder überflüssigen Papieren.

Unser verbliebenes Hab und Gut

Letztendlich konnten wir unseren Besitz auf 23 Umzugskartons, 1 Flohmarkt-Kiste, 2 Matratzen, 3 Fahrräder, 4 Trollis, ein Regal, einen Mülleimer, TV, Musikanlage, etwas Elektrokram und eine Palme reduzieren. Alles passte in einen Sprinter und konnte bei Matthias‘ Eltern leicht im Haus verstaut werden. Was wir mit unseren Möbeln gemacht haben, fragst du dich? Wir haben die ultimativen Nachmieter gefunden! :) Die beiden benötigten alle Möbel und wir wollten Möbel loswerden – ein guter Deal für alle! So konnten wir uns den Abbau der Möbel, Lampen und sogar Bilderrahmen sparen und mussten das Haus von Matthias Eltern nicht noch mehr in Beschlag nehmen.

Minimalismus Umzug wenig Krempel

Was tun, wenn das Entrümpeln und Minimieren schwer fällt?

Wir entrümpeln schon seit Jahren und werden immer besser darin, uns von Gegenständen zu trennen. Aber das war ein langer Prozess und nicht von Anfang an oder immer leicht. Auch bietet es einem als Paar ein paar nette Streitkeime, wie etwa „Brauchen wir wirklich Kerzen und Weihnachtsdeko?“ – Franzi: Ja! Matthias: Nein! “Brauchen wir diese ganzen Kabel?“ Franzi: Nein! Matthias: Ja!

Deswegen, hier kurz und knapp ein paar Tipps:

(1) Wir haben noch nichts vermisst

Oft behalten wir Dinge „für den Fall, dass…“. Das gibt Sicherheit. Klingt komisch, ist aber so. Wir haben aber bisher noch nichts von dem vermisst, was wir aus unserem Leben gestrichen haben. Vieles ist einfach überflüssig und niemand braucht 15 Teller für den Fall, dass man doch mal für so viele Leute kochen will. Und wenn doch, dann fragt man einfach die Nachbarn um Hilfe.

(2) Man kann alles wieder besorgen

Hast du doch mal einen Gegenstand verkauft, der dir dann fehlt, kannst du ihn jederzeit wieder neu besorgen. Entweder neu oder auch günstig in gebrauchtem Zustand. Ist uns bisher nicht passiert, siehe (1).

(3) Weniger ist mehr

Gerade bei persönlichen Gegenständen mit emotionalem Wert, fällt es schwer sich zu trennen. Aber liest du wirklich alle Postkarten und Briefe von Freunden und Verwandten nochmal? Sind wirklich alle Fotos lohnenswert aufzuheben? Stell dir vor, du hast nur das beste Bild, nur den schönsten Brief, um dich an einen tollen Urlaub oder eine Person zu erinnern? Du kannst dir sicher sein, dass der emotionale Wert für diese Dinge enorm steigt. Dafür musst du die anderen dann nicht mehr lagern und horten. Zugegeben, so extrem machen wir das nicht, aber in abgeschwächter Form versuchen wir es.

(4) Mach ein Foto oder Video von persönlichen Gegenständen

Bei vielen Gegenständen zählt nicht der materielle Wert. Wir behalten ihn, weil er uns an eine Person, ein Gefühl oder einen Lebensabschnitt erinnert. Und wir haben Angst, dass mit dem Gegenstand auch diese Emotionen gehen. Aber deswegen soviel Kram behalten? Das muss nicht so sein, denn es gibt einen einfachen Trick. Ein Foto oder Video von dem Gegenstand reicht oft um unsere Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Und das Bild oder Video nimmt digital gespeichert keinen Platz weg.

(5) Nicht genutzte Sachen erzeugen Stress

„Lies mich!“ schreit der Stapel Runners World Zeitschriften aus dem Abo, das Matthias mal abgeschlossen hatte aber seit Jahren nicht liest. „Spiel mich!“ schreit das E-Piano, das unbenutzt seit Jahren von Wohnung zu Wohnung mit umzieht. „Benutz mich!“ flüstert der Tennisschläger, der verstaubt im Keller liegt und dich jedes Mal auffordernd ansieht, wenn du ein Bier holst. All das gibt einem kein gutes Gefühl. Es sagt einem unterschwellig und vorwurfsvoll, dass man seine Vorsätze nicht umsetzt, ein fauler Sack ist und seine eigenen Versprechen und Pläne nicht einhält. Das wissen wir, da wollen wir aber nicht immer dran erinnert werden! Wenn du nur die Dinge besitzt, die du wirklich nutzt und alles andere los wirst, wirst du auch dieses Gefühl Stück für Stück los. Und damit schaffst du Platz für Neues. Sowohl in der Wohnung als auch im Kopf. Platz für neue Hobbies und Interessen. Eine Weltreise zum Beispiel ;)

(6) Total Cost of Ownership wird unterschätzt

Ein oft übersehener Gedanke. Wenn es darum geht, sich von Dingen zu trennen, sehen wir oft nur die Vorteile. Aber was ist mit den Kosten und dem Aufwand den es braucht ein Ding zu besitzen. Man muss es erstmal aussuchen, kaufen, nach Hause bringen, dann lagern, säubern, warten, beim Umzug verpacken und schleppen, wieder auspacken, es von A nach B räumen. Das alles kostet Zeit, die man besser anders verbringt und einiges an Geld. Weniger Kram braucht weniger Platz, braucht weniger Regale, braucht weniger Raumfläche, braucht eine kleinere Wohnung. Und die kostet weniger Geld. Was wir aber ganz besonders gemerkt haben: Auch das Loswerden von Gegenständen kostet extrem viel Zeit und Mühe. Das war uns eine Lektion und wir wollen demnächst erst gar nicht so viel Zeug anschaffen, denn…

(7) … „Alles was du hast, hat irgendwann dich“ 

Tylor Durden, Fight Club. Durfte hier einfach nicht fehlen ;) Und damit viel Spaß beim Entrümpeln.

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